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- Frühere Leistungen der Holländer in Brandenburg - Die brandenburgische Toleranzpolitik - Der Bau der vier holländischen Karrees - Die Bewohner des Holländischen Viertels - Das Holländische Viertel heute - Friedrich II. – Der König als Bauherr - Der Stadtkanal und das Bassin...
- Allgemeines zur Architekturplanung der holländischen inspirierten
Häuser
-
Das Marmorpalais
Man kann das Holländische Viertel
architektonisch als Unikat
bezeichnen. Denn es ist die einzige erhaltene Siedlung im holländischen
Stil außerhalb der Niederlande. Es ist außerdem eine architektonische
Besonderheit in ganz Deutschland. Wir werden in dieser Dokumentenmappe
auf die Geschichte und Architektur eingehen. Am Anfang befindet sich eine
Chronologie. Nach der Geschichte und Architektur werden wir unteranderem
über das Jagdschloß berichten.
- 1720 Beginn des Aufbaus der Potsdamer Neustadt; es wurden außer einheimischen Handwerksleuten auch noch ausländische Spezialisten herbeigerufen. Besonders die vertriebenen Hugenotten aus Frankreich wurden herangezogen. - 1730 Bau des Jagdschlosses in der Parforceheide. - 1733 Nach den Plänen von Ingenieurkapitän Berger wurde ab diesem Jahr unter der Leitung von Johann Baumann auf einem sehr schwierigen Baugrund, der oft eine Befestigung mittels Eichenpfählen verlangte, mit dem Bau der holländischen Häuser auf Kosten der königlichen Kasse begonnen. - 1737 Der König lässt durch Baumann ein holländisches Bassin mit steinerner Einfassung errichten. - 1739 Errichtung eines holländischen Tabakhäuschens (die "Gloriette") inmitten des Bassins. - 1740 Potsdam erhält einen Stadtplan. Dieser zeigt die niederländischen Einflüsse in dieser Zeit. Im nordöstlichen Teil der zweiten Stadterweiterung bildet sich das im Sumpf gelegene Holländische Viertel. - 1742 Anwerbung der als tüchtig und erfahren beim Bau auf schwierigem Baugrund bekannten niederländischen Handwerker. Um aber die holländischen Spezialisten für den Umzug in die damals nicht anziehenden Gegenden Brandenburgs zu gewinnen, erteilte der König ihnen eine Reihe von Privilegien. Dazu gehörten z.B. Hand- und Zehrgelder für die Reise, Schutz und Unterkunft in den preußischen Territorien auf dem Wege nach Potsdam, Zusage von Vorschüssen als Starthilfe, feste Arbeitseinkünfte und kostenlose Unterbringung am neuen Arbeitsort. Als besondere Attraktion war der Bau eines Stadtviertels im Nordosten der Neustadt in holländischer Ziegelbauweise gedacht, es sollte durch holländische Bauleute für holländische Handwerker errichtet werden. Im September des gleichen Jahres wurden alle 134 holländischen Häuser fertig gebaut, es wohnten jedoch nur 22 holländische Familien darin. In 54 Häusern wohnten Soldaten bzw. deren Witwen, in den übrigen zogen französische und deutsche Familien ein. - 1773 Friedrich II. lässt
durch Karl von Gontard neue Häuser im holländischen Backsteinbaustil
errichten, die jedoch ein Stockwerk höher und in der Fassade reicher
gestaltet waren als die Häuser im eigentlichen Holländischen
Viertel. Auch sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm II., knüpfte bei
der Errichtung des Marmorpalais und des "Holländischen Etablissements"
im Neuen Garten an diese Bautradition an.
Der Soldatenkönig: [zurück]
Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig,
regierte von 1713-1740. Er heiratete Sophie Dorothee, eine Tochter
des Kurfürsten von Hannover und Königs von England, Georg
I. . Er lebte von 1688-1740; seinen Namen (Soldatenkönig) hat er
aufgrund seiner Vorliebe zum Militär erhalten. Zwei Bildungsreisen
in die Niederlande hatten einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Der wirtschaftliche
Aufschwung Hollands, seine Verwaltungseinrichtungen und sein Heerwesen
erregte Bewunderung und veranlasste zur Nachahmung. Er stürzte
sich mit Besessenheit auf den Ausbau seiner Lieblingsresidenz. Potsdam
erreichte in den Regierungsjahren des Soldatenkönigs eine stattliche
Größe. 1713, bei Regierungsantritt, hatte die Stadt 1.500 Einwohner.
Als er 1740 starb, waren es bereits 12.000 Einwohner.
Neben der familiären Bindung
an das niederländische Königshaus – der Vater des Soldatenkönigs
war mit einer Holländerin verheiratet – gab es noch einen zweiten
persönlichen Grund. Der König litt seit 1726 unter Gichtschmerzen.
Er dachte öfter ans Abdanken und an ein stilles bürgerliches
Leben in Holland. Doch seine strenge Pflichtauffassung hielt ihn davon
ab. So wollte er sich wohl durch den Bau des Holländischen Viertels
ein Stück Holland nach Potsdam holen. Entscheidend war aber die Überlegung,
dass holländische Spezialisten nach Brandenburg kommen, die hier
schon in früherer Zeit sehr segensreich gewirkt hatten. An die Anwesenheit
und Leistungen von Niederländern in dieser frühen Zeit erinnern
bis heute neben dem Landschaftsnamen Fläming zahlreiche Orts-, Flur-
und Familiennamen, unter letzteren sei auf das häufigere Auftreten
von Namen wie Holland, Niederlande oder Brabandt aufmerksam gemacht. Prägend
eingegriffen haben die Holländer in die kulturelle Entwicklung der
märkischen Landstriche, besonders noch einmal während der Regierungszeit
des Großen Kurfürsten (1640-1688). Besonders in der Landwirtschaft
waren die Holländer sehr bewandert, wie z.B. im Obstbau.
Nicht zu unterschätzen war
die brandenburgische Toleranzpolitik, die natürlich Einfluss
auf die Heranziehung und Privilegierung
der holländischen Spezialisten durch Friedrich Wilhelm I. nahm. Der
eigentliche Beginn praktischer brandenburgischer Toleranzpolitik wurde
durch Friedrich Wilhelm von Brandenburg, den Großen Kurfürsten,
gesetzt. Er stellte religiöse Toleranz auf die Grundlage öffentlichen
Rechts. So schrieb er schon 1645: "Wir seind, Gott Lob, des Verstandes,
daß Wir Uns über die Gewissen Unserer Unterthanen keines Imperii
anmassen, sondern dasselbige Gott allein anheim stellen." Seine entscheidende
geistige Prägung insgesamt, wie auch hinsichtlich des Toleranzdenkens
empfing dieser Kurfürst bei Studienaufenthalten, wie bei privaten
Begegnungen in den Niederlanden. Das "Edikt von Potsdam" (1685) war der
Höhepunkt in der brandenburgischen Toleranzpolitik. Es war die Antwort
auf die Aufhebung des "Ediktes von Nantes" aus dem Jahre 1598 durch Ludwig
XIV.. So sagte er, dass er seinen "bedrängten Glaubensgenossen"
es schuldig sei, ihnen "freie Zufluchtsstätte" und bestimmte Privilegien
zu bieten. Außerdem nahm er auch jene 20.000 Salzburger Lutheraner
auf, die der dortige Erzbischof Leopold Anton von Firmian 1731 auf grausame
Weise vertrieben hatte.
Die handfesten merkantilistischen Gründe des Landesvaters ließen die Vorbereitungen zum Bau des Holländischen Viertels ab 1733 trotz vieler Erschwernisse und Widrigkeiten spürbar vorangehen. Friedrich Wilhelm I. nahm ständig Anteil am direkten Baugeschehen, das wegen des morastigen Untergrundes unter damaligen Verhältnissen besonders kompliziert war. Der Bau des Holländischen Viertels und die Belegung der Häuser mit den gewünschten Bewohnern erwiesen sich allerdings als eine länger währende und nicht unkomplizierte Angelegenheit, die den Zeitraum von 1732 bis 1744 umfasste. Es wird in bestimmten Akten erwähnt (datiert am 27.10.1732), dass drei Zimmerleute – Anton van Ridder nebst seiner Frau, einem Sohn und drei Töchtern, Adrianus den Ouden und Johann Baumann (Boumann) mit Frau, sowie des Maurers Hiuybrecht Keetel mit Frau in Potsdam eintrafen. Dieser Zuzug von holländischen Spezialisten rief aber nicht nur Zustimmung hervor. Viele tadelten, dass einer, der nur die Zimmer-, Tischler- und Schiffsbaukunst erlernt hatte, Baumeister sein sollte. Aber gerade diese praktischen Erkenntnisse machten ihn zu einem guten Baumeister, was auch seine spätere Stellung als Oberbaudirektor in Berlin beweist. Unter der Leitung von Baumann wurde um 1732 auf sehr schwierigem Baugrund mit dem Hausbau begonnen, nachdem der König das Material für die holländischen Häuser hatte anweisen lassen. Es wuchs zunächst ein Straßenzug (Ostseite der heutigen Friedrich-Ebert-Straße) mit dem anhängendem südwestlichen Karree herauf. Als Dank an die Erbauer und als Anreiz für weitere holländische Spezialisten erteilte der Soldatenkönig am 19.03.1738 in Potsdam bestimmte Privilegien. "1. dass er ein gutes und
bequemes Hauß frey und eigenthümlich vor
Die Holländer kamen aber nicht
in der erhofften Zahl, so dass manches Haus in den ersten beiden Karrees,
die bis 1739/40 erbaut worden waren, mit deutschen, teilweise auch mit
französischen Handwerkern und besonders mit Soldaten der Potsdamer
Garnison belegt werden mussten. Friedrich Wilhelm I. verfolgte seinen
Plan bezüglich des Holländischen Viertels in Potsdam jedoch unnachgiebig
und erließ noch am 15.05.1740 todkrank, aber sehr genau die Order, in dem
er nicht nur die zügige Fertigstellung der vier Karrees verfügte,
sondern sich ebenso um die Heranziehung weiterer holländischer Spezialisten
bemühte. So ließ er trotz Belastungen (erster Schlesischer Krieg)
den Bau der holländischen Häuser in Potsdam 1740 bis 1742 in
den vier Karrees abschließen. Endgültig abgeschlossen war der
Bau des Holländischen Viertels eigentlich erst 1744 mit der durchgängigen
Pflasterung.
Spezialbefehl Friedrichs II. zur Heranziehung holländischer Spezialisten, vom 25. Januar 1741
Ursprünglich war geplant, die
Häuser nur an Holländer zu vergeben, dies war aber nicht möglich,
da es nicht genügend Holländer in Potsdam gab. Von 40 Häusern
waren nur 36 belegt; vier standen leer. Von den 36 bewohnten Häusern
wiederum war nur etwa die Hälfte mit holländischen Handwerkern,
die andere Hälfte jedoch mit Grenadieren
belegt. Zu den 18 holländischen Handwerkern gehörten die "Zimmermeister
Laamen, Ouden, Romanus und Baumann", die "Maurermeister Keytel, Speck,
Medden und Sonsbeck", die "Sammetmacher Ouden, Tymm, Cordes und Bohlmann",
sowie "Handelsmann Lehmann, Goldschmied Baumann, Seydendrucker Leyden,
Cabinetmacher Hülßmann, Schlößer Dames und Nachtwächter
Laatz"; hinzu kam noch "Zimmermeister Ridders Witwe". In den insgesamt
19 von holländischen Handwerkerfamilien bewohnten Häusern lebten
zusammen nur 54 Personen (Laatz, Leyden und Tymm). Diese Probleme blieben
auch nach der Fertigstellung des Holländischen Viertels im Jahre 1742
unverändert bestehen. Für diese Situation gab es sicher vielfältige
Ursachen, aber man kann wohl davon ausgehen, dass besonders der Thronwechsel
in Preußen 1740, der eventuell Unsicherheiten um die Privilegien
Friedrich Wilhelm I. aufkommen ließ, und der Beginn des Krieges mit
Österreich um den Besitz Schlesiens, der auch Einschränkungen
für die Wirtschaftstätigkeit mit sich brachte, den Umzugswillen
holländischer Handwerker nicht beflügelt haben dürfte. Das
Holländische Viertel war somit seit seiner Fertigstellung eher ein
Denkmal für die früheren Leistungen von Holländern in Potsdam
und Brandenburg als der besonders von Friedrich Wilhelm I. gewünschte
Anreiz zum Zuzug zahlreicher weiterer Handwerkerfamilien aus Holland.
Das Holländische Viertel hielt
seine ursprüngliche Form im Wesentlichen bis in die zweite Hälfte
des vorigen Jahrhunderts bei. Im Zeitalter der Industrialisierung kam es zu
einschneidenden Veränderungen: Die Höfe wurden überbaut;
das Äußere der Häuser wurde "vereinfacht" und teilweise
durch Zubauten verändert: die Brandgassen wurden z.T. zugebaut. Nach
dem zweiten Weltkrieg, der nur geringfügige Schäden verursacht
hatte, kam es zum permanenten Verfall: Fehlende Farben, undichte Dächer,
schadhafte Fenster und Türen ließen das Viertel immer verkommener
erscheinen. Vergeblich versuchten die Bewohner mit den kaum vorhandenen
Mitteln den allgemeinen Verfall zu verhindern. Die stärkere Besinnung
auf Erbe und Tradition in der DDR seit Ende der sechziger/Anfang der siebziger
Jahre führte dazu, dass Rekonstruktionsmaßnahmen ernsthafter
diskutiert und vereinzelt versucht wurden. Im Stadtführer-Atlas Potsdam
(1978) wird der Hoffnung auf eine Wende zum Besseren deutlich Ausdruck
gegeben; wenn es heißt: "1973-1977 sind vier Häuser an der Ecke
Friedrich-Ebert-/Mittelstraße rekonstruiert worden. Es sind Experimentalbauten,
bei denen man Erfahrungen für eine Wiederherstellung des gesamten
Viertels nach 1980 gesammelt hat." Dazu kam es wegen des allgemeinen ökonomischen
Verfalls in der DDR allerdings nicht mehr. Vielmehr brachte das sogenannte
"Freiziehen" vieler Häuser in den achtziger Jahren dem gesamten Viertel
den Ruin. So wurde die gesellschaftliche Wende des Jahres 1989 auch zu
einer neuen Chance für das Holländische Viertel. Man setzte sich
zunehmend für die Restauration des Viertels ein. Und wie man sieht
sind schon bedeutende Veränderungen eingetreten.
Friedrich II., der Große, König in Preußen, ab 1772 König von Preußen, wurde am 21. Januar 1712 in Berlin als Sohn Friedrich Wilhelm I. und Sophie Dorothees, Tochter des Kurfürsten von Hannover und Königs von Großbritannien, geboren. Er wurde mit der Autorität und Strenge seines Vaters und durch Hugenotten erzogen. Friedrich war musisch veranlagt und den Ideen der Aufklärung nicht verschlossen, z.B. führte er einen Briefwechsel mit Voltaire, der 1750-1752 als Gast des Königs in Potsdam weilte. Friedrich der Große war ein Philosophenkönig, äußerst gebildet, ungeheuer präzise, er herrschte als aufgeklärter Absolutist , mit religiöser Toleranz , von 1740 bis zu seinem Tod am 17. August 1786, in Potsdam Sanssouci. Unter dem Druck des Vaters heiratete er 1733 Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Nach seinem Regierungsantritt am 31. Mai 1740 führte der Herrscher vier große Kriege, u.a. drei Kriege in Schlesien. Der Monarch organisierte den preußischen Staat streng nach Ständen. Der Adel stellte die Offiziere und höheren Beamten, Handel und Gewerbe oblagen dem Bürgertum, die Bauern bestellten das Land. Friedrich Wilhelm I. hinterließ
seinem Sohn Friedrich eine ausgebaute Stadt mit 1154 Häusern und 11.708
Einwohnern. Der junge Monarch wählte Potsdam als seine zweite Residenz,
fand aber wegen zwei Kriegen erst nach 1745 Zeit für seine Residenzstadt.
Friedrich der II., als Bauherr, konzentrierte die Bautätigkeit auf
die Bereiche der Altstadt und der ersten Neustadt, zielte dabei auf die repräsentative
Gestaltung
der Stadt ab. Ältere Häuser bekamen neue Fassaden oder wurden
durch Neubauten ersetzt, jedoch Umbauten am Holländischen Viertel
wurden unter Friedrich II. kaum noch vorgenommen. Auch das Territorium
der Stadt Potsdam, über die vom Soldatenkönig gezogenen Mauern
hinaus, wurde kaum erweitert. Friedrich der Große prägte mit
seinen Bauwerken den Begriff des "Potsdamer Rokoko". Er holte sich namhafte
Architekten in die Stadt, die seine Ideen und Pläne umsetzten. Noch
später, nach seinem Tode, wurden nach seinen Skizzen Häuser gebaut.
Große Sumpfgebiete der Havelniederungen setzten anfangs der Besiedelung natürliche Grenzen. So geschah also auch die Ausdehnung der Stadt nach Norden unter großen Schwierigkeiten. Weite Teile des Sumpfes mussten erst trockengelegt werden. Die Könige holten sich holländische Ingenieure, da Sie die Fertigkeit besaßen, sogar in sumpfigen Gelände zu bauen. Man benötigte umfassende Entwässerungsmaßnahmen, um die Feuchtgebiete ebenfalls bebauen zu können. Bereits ab 1673 wurden Kanäle angelegt. Der Stadtkanal entstand Ende des 17. Jh. aus einer Anzahl Stadtgräben, die vor allem die Aufgabe hatten, das sumpfige Gebiet nördlich der Stadt trockenzulegen. Der Stadtkanal als Vorfluter ( Abzugs-, Entwässerungsgraben ) und Schifffahrtsweg löste also ältere Entwässerungsgräben ab. Er wurde auch Hauptkanal genannt. Der Kanal sollte den Grundwasserspiegel nach Vorbild der holländischen Grachten absenken, wurde daher auch von manchem als Gracht bezeichnet. 1715 – 1720 wurde der Stadtkanal reguliert und begradigt. Bis 1722 war er noch nördliche und östliche Begrenzung der Altstadt. Der innerstädtische Wasserverlauf dieses Hauptkanals war schiffbar und verlieh Potsdam das Flair eines "Venedigs des Nordens" im Stile der holländischen Grachten. Später wurde er sogar von Havelkähnen befahren. Der Stadtkanal hatte außerdem eine wichtige Bedeutung beim Transport von Baumaterial für die sich, zur Zeit der Ersten Barocken Stadterweiterung ,vergrößernde Stadt. Unter Friedrich II. wurde der Kanal noch ausgebaut. Doch er stank, denn die Abwässer der Anlieger flossen ungereinigt ein. Wegen der nur geringen Strömung konnte der Kanal sich nicht selbst reinigen und verschlammte völlig. Er war eine große Geruchsbelästigung und wurde zum öffentlichen Ärgernis. Nach 1945 entschied man sich, den Stadtkanal zuzuschütten, was man auch in den 60er bis Mitte der 70er Jahre unseres Jahrhunderts tat, denn er passte auch nicht in das Konzept einer sozialistischen Stadtplanung. An seiner Stelle wurde ein Kanalisationssystem angelegt. ...( noch heute überlegt man sich, den alten Stadtkanal, der zum typischen oder besser prägenden Stadtbild gehörte, wieder auszugraben). Da eine Bebauung auf Grund des Sumpfgebietes
nicht überall möglich war, entstanden in Potsdam mehrere Plantagen,
so auch die Plantage am Bassin, der spätere Bassinplatz. Während
der Zweiten Barocken Stadterweiterung wurde bei Baubeginn südlich
des Areals des Holländischen Viertels ein Sammelbecken angelegt, in
dem das aus dem Baugelände abgezogene Wasser zusammenlief. Daraus
ließ der König 1737 durch Boumann ein holländisches Bassin
mit steinerner Einfassung einrichten, das durch einen schiffbaren Zuflussgraben
mit dem Heiligen See und durch einen unterirdischen Abzugkanal mit der
Gracht, dem Stadtkanal, verbunden war. In der Mitte des Bassins lag eine
kleine Insel, auf der Boumann 1739 einen kleinen Pavillon,
die "Gloriette", oder ein "Lustschlösschen auf holländische
Art" (fälschlicherweise auch das "Tabakskollegiumshäuschen" genannt),
aus roten Backsteinen errichtete. Auch in das Bassin flossen viele Abwässer
aus den Häusern der anliegenden Straßen. Dadurch, dass
die Wasserströmung eher gering und somit auch der Abzug gering war,
verschlammte es immer mehr und ließ sich leider auch schwer reinigen.
1753 – 54 gab es die ersten Reinigungsarbeiten und Reparaturen am Bassin.
1764 wurde der unterirdische, gewölbte Abflusskanal des Bassins
zum Stadtkanal erneuert. Im Jahre 1771 folgte die Erneuerung der gesamten
Einfassung, weiterhin wurde das Bassin mit einem eisernen Geländer
eingefasst. 1776 wurde diese Einfassung schon wieder repariert. Von
1800 bis 1805 wurde das Bassin nochmals gereinigt und die Bassineinfassung
wiederhergestellt. 1825 bekam der Bassinplatz nach einem Plan Lenne’s ein
neues Aussehen. Man begann mit der teilweisen Zuschüttung bis auf
einen kleinen Teich mit 60m Durchmesser und der Insel in der Mitte. Die
anliegenden Bewohner beschwerten sich (auch in schriftlicher Form) über
die üblen und auch der öffentlichen Gesundheit schadenden Ausdünstungen
des Bassins und baten mehrmals um die Zuschüttung. Diese Situation
führte dazu, dass 1871 – 76 der Bassinrest und der Verbindungskanal
zum Heiligen See verfüllt, d.h. endgültig zugeschüttet wurden.
1877 begannen dann die Planierungsarbeiten für neue gärtnerische
Anlagen, die 1883 beendet wurden.
Allgemeines zur Architekturplanung
der holländisch inspirierten Häuser [zurück]
Das Holländische Viertel selbst
besteht aus vier Karrees,
die an den Straßenseiten symmetrisch angeordnet sind. Doch wird bei
einer genaueren Betrachtung auffällig, dass diese Symmetrie durch
das Vorstehen einiger Häuser und deren geringe Größenunterschiede
, gestört wird.
Das Mauerwerk Ursprünglich war das Mauerwerk
unangestrichen, da die roten Hartbrandziegel
nur im Eigenfarbton wirkten. Den Kontrast dazu bildet eine im Querschnitt
trapezförmig ausgebildete, helle Kalkmörtelfuge, welche in ihrer
akkuraten Ausführung die gesamte Fassade gitternetzartig überzieht.
Erste Farbanstriche erfolgten relativ kurz nach der Fertigstellung des
Holländischen Viertels in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Sie sollten sicherlich auch Veränderungen und Überformungen des
Mauerwerks kaschieren.
Anstriche des 19. und 20. Jahrhunderts spiegeln den Zeitgeschmack wieder,
so zum Beispiel gelb-grau für ganze Flächen, unter anderem in
der Gründerzeit. Dennoch bleibt der rote Anstrich in unterschiedlichen
Nuancierungen dominant.
Das Traufgesimsbrett mit Konsolen Ein bleiweißer Ölfarbanstrich
war hier Ursprungsfarbton, später folgten meist in Verbindung zur
Neugestaltung der Portaldekorationen Anstriche in einer gelb-grauen Farbnuancierung.
Vermutlich sollte die Farbfassung dieser Architekturteile an edlere Materialien
(z.B. Marmor oder Sandstein) erinnern.
Die Portaldekorationen Auch hier war der bleiweiße
Ölfarbanstrich dominant. Unter Friedrich II. wurde die Farbgestaltung
repräsentativer und vielfältiger. Im 19. Jahrhundert wurden die
meisten Portaldekorationen entfernt, überformt, teilentfernt bzw.
im Putz neu gestaltet.
Die Fenster und Fensterläden Die erste Fenstergeneration hatte
bleiverglaste Fensterflügel und geölte Rahmen aus Eichenholz.
Später wurden die originalen Fensterteile vollständig oder teilweise
ersetzt und entsprechend dem Zeitgeschmack farbig angepasst. Bei den
Fensterläden ging man so weit, auch die Form im 19. und 20. Jahrhundert
zu verändern.
Die Türen und Tore Über der öligen Grundierung
war in der Regel ein bleiweißer Ölanstrich oder eine Absetzung
in grün und gelb-ocker. Desweiteren waren sie meist auch noch mit
einer Wachsschutzschicht versehen. Auch an diesen Elementen wurden in den
darauf folgenden Jahrhunderten Veränderungen vorgenommen.
Die Treppenanlagen Die gesamte Treppenanlage wurde
geölt und gewachst. Die Treppenteile insgesamt wurde in einem Rotton
mit Ölfarben angestrichen. Der Anstrich von Pfosten erfolgte in Rot-
oder Blautönen. Der Handlauf hatte einen schwarz bis schwarzbraunen
Farbton.
Das Marmorpalais [zurück] 1787 gab Friedrich Wilhelm I. Carl
von Gontard den Auftrag zum Bau des Marmorpalais. Der Außenbau wurde
auf "holländische Art" gebaut. Es wurde mit rotem Backstein gemauert.
Dieser holländische Stil sollte an die damalige Potsdamer Bautradition
anknüpfen, die auf die Verbindung des preußischen Königshauses
mit dem Haus Oranien hinweisen konnte. Der Grundriss im Erdgeschoss
entspricht weitestgehend dem von Mauritshuis in Den Haag.
Die Platz- und Wegefläche hinter
dem Neuen Palais im Park Sanssouci ist nach dem holländischen Vorbild
der Platz- und Wegeflächenpflasterung gebaut worden. Zu dieser Pflasterung
wurden Ziegelsteine längsseitig in die Erde gesteckt. Diesen holländischen
Pflasterungsstil nennt man "Mopke".
Das Holländische Etablissement
liegt links an der zum Schloss führenden Hauptallee im Neuen
Garten. Dazu gehören das Damenhaus, die Pferdeställe und Wagenremisen.
Entstanden ist das Holländische Etablissement 1789-1790 nach Plänen
von Carl Gontart Langhaus und Andreas Ludwig Krüger.
Bereits im 15. Jahrhundert wurde
die Umgebung Potsdams von den Hohenzollern bevorzugt als Jagdgebiet genutzt.
Im Zusammenhang mit der nach französischem Vorbild an den europäischen
Fürstenhöfen in Mode gekommenen Parforcejagd
ließ Friedrich Wilhelm I. in den Jahren 1725-1729 eine solche Jagdanlage
ausbauen. Er war ein leidenschaftlicher Anhänger der Parforcejagd.
Für diese Jagdform benötigt man möglichst ebene Wege ohne
Hindernisse, einen lichten Wald mit wenig Unterholz und ein offenes Gelände,
denn bei dieser Jagdart wird durch Hunde und reitende Jäger das aufgestöberte
Wild bis zur Erschöpfung gejagt und mit Gewalt (par force) erlegt
oder zu Tode gehetzt. Dafür waren die anderen angelegten Jagdgebiete
um Potsdam (Pirschheide, Großer Tiergarten (Potsdamer Heide), Kleiner
Tiergarten (nördlicher Teil des Park Babelsberg) ) ungeeignet. Friedrich
Wilhelm I. waren die ältesten brandenburgisch-preußischen Jagdsterne
im Berliner Tiergarten bekannt. Bei seinem Vorhaben orientierte er sich
aber besonders am Tiergarten des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau.
· Bahra, Hanne, und Ingo
Lamberty. Potsdam. Berlin: Argon Verlag GmbH, 1997.
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