Schule Chronik Projekte Partnerschulen Termine Kontakt Impressum
 
[Zurück]
Holländer in Potsdam



I. Einleitung


II. Chronik holländischer Bauten in Potsdam


III. Entstehung des Holländischen Viertels

- Der Soldatenkönig
  - Frühere Leistungen der Holländer in Brandenburg
  - Die brandenburgische Toleranzpolitik
  - Der Bau der vier holländischen Karrees
  - Die Bewohner des Holländischen Viertels
  - Das Holländische Viertel heute
  - Friedrich II. – Der König als Bauherr
  - Der Stadtkanal und das Bassin...


IV. Architektur im Holländischen Viertel

  - Allgemeines zur Architekturplanung der holländischen inspirierten Häuser
- Die Backsteinfassade
- Die Einbauteile


V. Der holländische Baustil außerhalb des Holländischen Viertels

  - Das Marmorpalais
- Die Platz- und Wegefläche hinter dem Neuen Palais in Sanssouci
  - Das holländische Etablissement
- Das Jagdschloß am Stern


VI. Bilddokumente


VII. Literaturverzeichnis
 
 
 
 
 


I. Das Holländische Viertel: Einleitung [zurück]
 

Man kann das Holländische Viertel architektonisch als Unikat bezeichnen. Denn es ist die einzige erhaltene Siedlung im holländischen Stil außerhalb der Niederlande. Es ist außerdem eine architektonische Besonderheit in ganz Deutschland. Wir werden in dieser Dokumentenmappe auf die Geschichte und Architektur eingehen. Am Anfang befindet sich eine Chronologie. Nach der Geschichte und Architektur werden wir unteranderem über das Jagdschloß berichten.
 
 














II. Chronik holländischer Bauten in Potsdam [zurück]
 

- 1720 Beginn des Aufbaus der Potsdamer Neustadt; es wurden außer einheimischen Handwerksleuten auch noch ausländische Spezialisten herbeigerufen. Besonders die vertriebenen Hugenotten aus Frankreich wurden herangezogen.

- 1730 Bau des Jagdschlosses in der Parforceheide.

- 1733 Nach den Plänen von Ingenieurkapitän Berger wurde ab diesem Jahr unter der Leitung von Johann Baumann auf einem sehr schwierigen Baugrund, der oft eine Befestigung mittels Eichenpfählen verlangte, mit dem Bau der holländischen Häuser auf Kosten der königlichen Kasse begonnen.

- 1737 Der König lässt durch Baumann ein holländisches Bassin mit steinerner Einfassung errichten.

- 1739 Errichtung eines holländischen Tabakhäuschens (die "Gloriette") inmitten des Bassins.

- 1740 Potsdam erhält einen Stadtplan. Dieser zeigt die niederländischen Einflüsse in dieser Zeit. Im nordöstlichen Teil der zweiten Stadterweiterung bildet sich das im Sumpf gelegene Holländische Viertel.

- 1742 Anwerbung der als tüchtig und erfahren beim Bau auf schwierigem Baugrund bekannten niederländischen Handwerker. Um aber die holländischen Spezialisten für den Umzug in die damals nicht anziehenden Gegenden Brandenburgs zu gewinnen, erteilte der König ihnen eine Reihe von Privilegien. Dazu gehörten z.B. Hand- und Zehrgelder für die Reise, Schutz und Unterkunft in den preußischen Territorien auf dem Wege nach Potsdam, Zusage von Vorschüssen als Starthilfe, feste Arbeitseinkünfte und kostenlose Unterbringung am neuen Arbeitsort. Als besondere Attraktion war der Bau eines Stadtviertels im Nordosten der Neustadt in holländischer Ziegelbauweise gedacht, es sollte durch holländische Bauleute für holländische Handwerker errichtet werden. Im September des gleichen Jahres wurden alle 134 holländischen Häuser fertig gebaut, es wohnten jedoch nur 22 holländische Familien darin. In 54 Häusern wohnten Soldaten bzw. deren Witwen, in den übrigen zogen französische und deutsche Familien ein.

- 1773 Friedrich II. lässt durch Karl von Gontard neue Häuser im holländischen Backsteinbaustil errichten, die jedoch ein Stockwerk höher und in der Fassade reicher gestaltet waren als die Häuser im eigentlichen Holländischen Viertel. Auch sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm II., knüpfte bei der Errichtung des Marmorpalais und des "Holländischen Etablissements" im Neuen Garten an diese Bautradition an.
 
 
 


III. Die Entstehung des Holländischen Viertels
 

 Der Soldatenkönig: [zurück]
 

Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, regierte von 1713-1740. Er heiratete  Sophie Dorothee, eine Tochter des  Kurfürsten von Hannover und Königs von England, Georg I. . Er lebte von 1688-1740; seinen Namen (Soldatenkönig) hat er aufgrund seiner Vorliebe zum Militär erhalten. Zwei Bildungsreisen in die Niederlande hatten einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Der wirtschaftliche Aufschwung Hollands, seine Verwaltungseinrichtungen und sein Heerwesen erregte Bewunderung und veranlasste zur Nachahmung. Er stürzte sich mit Besessenheit auf den Ausbau seiner Lieblingsresidenz. Potsdam erreichte in den Regierungsjahren des Soldatenkönigs eine stattliche Größe. 1713, bei Regierungsantritt, hatte die Stadt 1.500 Einwohner. Als er 1740 starb, waren es bereits 12.000 Einwohner.
Die Idee zum Erbau des Holländischen Viertels erhielt der Soldatenkönig, wie oben genannt,1732 auf einer Reise durch Holland. Am Aufbau der Potsdamer Neustadt waren auch Soldaten beteiligt. Als Friedrich Wilhelm I. 1732 zu seiner Reise nach Holland aufbrach, war der Plan zur Stadterweiterung schon gefasst. So sah er als Zweck seiner Reise auch die Anwerbung von niederländischen  Bauhandwerkern, die als tüchtig und erfahren galten. Um sie für den Umzug zu bewegen, erteilte er ihnen eine Reihe von beachtlichen Privilegien. Dazu gehörten z.B. Hand- und Zehrgelder für die Reise, Schutz und Unterkunft in den preußischen Territorien auf dem Wege nach Potsdam, Zusage von Einkünften und freier Unterbringung am neuen Arbeitsort.
 
 


 Frühere Leistungen der Holländer in Brandenburg: [zurück]
 

Neben der familiären Bindung an das niederländische Königshaus – der Vater des Soldatenkönigs war mit einer Holländerin verheiratet – gab es noch einen zweiten persönlichen Grund. Der König litt seit 1726 unter Gichtschmerzen. Er dachte öfter ans Abdanken und an ein stilles bürgerliches Leben in Holland. Doch seine strenge Pflichtauffassung hielt ihn davon ab. So wollte er sich wohl durch den Bau des Holländischen Viertels ein Stück Holland nach Potsdam holen. Entscheidend war aber die Überlegung, dass holländische Spezialisten nach Brandenburg kommen, die hier schon in früherer Zeit sehr segensreich gewirkt hatten. An die Anwesenheit und Leistungen von Niederländern in dieser frühen Zeit erinnern bis heute neben dem Landschaftsnamen Fläming zahlreiche Orts-, Flur- und Familiennamen, unter letzteren sei auf das häufigere Auftreten von Namen wie Holland, Niederlande oder Brabandt aufmerksam gemacht. Prägend eingegriffen haben die Holländer in die kulturelle Entwicklung der märkischen Landstriche, besonders noch einmal während der Regierungszeit des Großen Kurfürsten (1640-1688). Besonders in der Landwirtschaft waren die Holländer sehr bewandert, wie z.B. im Obstbau.
 
 


 Die brandenburgische Toleranzpolitik: [zurück]
 

Nicht zu unterschätzen war die brandenburgische Toleranzpolitik, die natürlich Einfluss auf die Heranziehung und Privilegierung der holländischen Spezialisten durch Friedrich Wilhelm I. nahm. Der eigentliche Beginn praktischer brandenburgischer Toleranzpolitik wurde durch Friedrich Wilhelm von Brandenburg, den Großen Kurfürsten, gesetzt. Er stellte religiöse Toleranz auf die Grundlage öffentlichen Rechts. So schrieb er schon 1645: "Wir seind, Gott Lob, des Verstandes, daß Wir Uns über die Gewissen Unserer Unterthanen keines Imperii anmassen, sondern dasselbige Gott allein anheim stellen." Seine entscheidende geistige Prägung insgesamt, wie auch hinsichtlich des Toleranzdenkens empfing dieser Kurfürst bei Studienaufenthalten, wie bei privaten Begegnungen in den Niederlanden. Das "Edikt von Potsdam" (1685) war der Höhepunkt in der brandenburgischen Toleranzpolitik. Es war die Antwort auf die Aufhebung des "Ediktes von Nantes" aus dem Jahre 1598 durch Ludwig XIV.. So sagte er, dass er seinen "bedrängten Glaubensgenossen" es schuldig sei, ihnen "freie Zufluchtsstätte" und bestimmte Privilegien zu bieten. Außerdem nahm er auch jene 20.000 Salzburger Lutheraner auf, die der dortige Erzbischof Leopold Anton von Firmian 1731 auf grausame Weise vertrieben hatte.
 
 
 


 Der Bau der vier holländischen Karrees: [zurück]
 

Die handfesten merkantilistischen Gründe des Landesvaters ließen die Vorbereitungen zum Bau des Holländischen Viertels ab 1733 trotz vieler Erschwernisse und Widrigkeiten spürbar vorangehen. Friedrich Wilhelm I. nahm ständig Anteil am direkten Baugeschehen, das wegen des morastigen Untergrundes unter damaligen Verhältnissen besonders kompliziert war. Der Bau des Holländischen Viertels und die Belegung der Häuser mit den gewünschten Bewohnern erwiesen sich allerdings als eine länger währende und nicht unkomplizierte Angelegenheit, die den Zeitraum von 1732 bis 1744 umfasste. Es wird in bestimmten Akten erwähnt (datiert am 27.10.1732), dass drei Zimmerleute – Anton van Ridder nebst seiner Frau, einem Sohn und drei Töchtern, Adrianus den Ouden und Johann Baumann (Boumann) mit Frau, sowie des Maurers Hiuybrecht Keetel mit Frau in Potsdam eintrafen. Dieser Zuzug von holländischen Spezialisten rief aber nicht nur Zustimmung hervor. Viele tadelten, dass einer, der nur die Zimmer-, Tischler- und Schiffsbaukunst erlernt hatte, Baumeister sein sollte. Aber gerade diese praktischen Erkenntnisse machten ihn zu einem guten Baumeister, was auch seine spätere Stellung als Oberbaudirektor in Berlin beweist. Unter der Leitung von Baumann wurde um 1732 auf sehr schwierigem Baugrund mit dem Hausbau begonnen, nachdem der König das Material für die holländischen Häuser hatte anweisen lassen. Es wuchs zunächst ein Straßenzug (Ostseite der heutigen Friedrich-Ebert-Straße) mit dem anhängendem südwestlichen Karree herauf. Als Dank an die Erbauer und als Anreiz für weitere holländische Spezialisten erteilte der Soldatenkönig am 19.03.1738 in Potsdam bestimmte Privilegien.

"1. dass er ein gutes und bequemes Hauß frey und eigenthümlich vor
 sich, seine Erben und Erbnehmern geschencket bekommen.
 2. dass Er sich aller praerogativen, Rechte und Freyheiten zu erfreuen
 habe, welche vermöge deren publicirten Edicten denenjenigen, so in
 Seiner Königl. Majestät Landen sich etabliren, versprochen worden.
 3. von der Militair Einquartierung soll derselbe verschonet werden
 und bleiben.
 4. die Religion und Gewißenfreyheit ihm und die Seinigen in hohen
 Gnaden jederzeit verstatten.
 5. jeden Handwercker den Titel als Hofhandwerckerallergnedigst
 accordieren.
 6. mit steter Arbeit und Unterhaltung in der Nahrung höchst mildigst
 versehen zu laßen, wogegen aber auch Seiner Königl. Majestät zufallen
 gehöriger Fleiß und application in Verfertigung guter Arbeit von
 denenselben versehen.
 7. Soll denenselben, wann die Colonie anwächset, zur informirung ihrer
 Kinder ein holländischer Schulmeister verschrieben undangesetzt werden."

Die Holländer kamen aber nicht in der erhofften Zahl, so dass manches Haus in den ersten beiden Karrees, die bis 1739/40 erbaut worden waren, mit deutschen, teilweise auch mit französischen Handwerkern und besonders mit Soldaten der Potsdamer Garnison belegt werden mussten. Friedrich Wilhelm I. verfolgte seinen Plan bezüglich des Holländischen Viertels in Potsdam jedoch unnachgiebig und erließ noch am 15.05.1740 todkrank, aber sehr genau die Order, in dem er nicht nur die zügige Fertigstellung der vier Karrees verfügte, sondern sich ebenso um die Heranziehung weiterer holländischer Spezialisten bemühte. So ließ er trotz Belastungen (erster Schlesischer Krieg) den Bau der holländischen Häuser in Potsdam 1740 bis 1742 in den vier Karrees abschließen. Endgültig abgeschlossen war der Bau des Holländischen Viertels eigentlich erst 1744 mit der durchgängigen Pflasterung.
 
 

Spezialbefehl Friedrichs II. zur Heranziehung holländischer Spezialisten, vom 25. Januar 1741














 Die Bewohner des Holländischen Viertels: [zurück]
 

Ursprünglich war geplant, die Häuser nur an Holländer zu vergeben, dies war aber nicht möglich, da es nicht genügend Holländer in Potsdam gab. Von 40 Häusern waren nur 36 belegt; vier standen leer. Von den 36 bewohnten Häusern wiederum war nur etwa die Hälfte mit holländischen Handwerkern, die andere Hälfte jedoch mit Grenadieren belegt. Zu den 18 holländischen Handwerkern gehörten die "Zimmermeister Laamen, Ouden, Romanus und Baumann", die "Maurermeister Keytel, Speck, Medden und Sonsbeck", die "Sammetmacher Ouden, Tymm, Cordes und Bohlmann", sowie "Handelsmann Lehmann, Goldschmied Baumann, Seydendrucker Leyden, Cabinetmacher Hülßmann, Schlößer Dames und Nachtwächter Laatz"; hinzu kam noch "Zimmermeister Ridders Witwe". In den insgesamt 19 von holländischen Handwerkerfamilien bewohnten Häusern lebten zusammen nur 54 Personen (Laatz, Leyden und Tymm). Diese Probleme blieben auch nach der Fertigstellung des Holländischen Viertels im Jahre 1742 unverändert bestehen. Für diese Situation gab es sicher vielfältige Ursachen, aber man kann wohl davon ausgehen, dass besonders der Thronwechsel in Preußen 1740, der eventuell Unsicherheiten um die Privilegien Friedrich Wilhelm I. aufkommen ließ, und der Beginn des Krieges mit Österreich um den Besitz Schlesiens, der auch Einschränkungen für die Wirtschaftstätigkeit mit sich brachte, den Umzugswillen holländischer Handwerker nicht beflügelt haben dürfte. Das Holländische Viertel war somit seit seiner Fertigstellung eher ein Denkmal für die früheren Leistungen von Holländern in Potsdam und Brandenburg als der besonders von Friedrich Wilhelm I. gewünschte Anreiz zum Zuzug  zahlreicher weiterer Handwerkerfamilien aus Holland.
 Das Holländische Viertel wurde von Anfang an zu einem Wohngebiet der Handwerker, Künstler und Gewerbetreibenden sowie auch der Berufssoldaten. In der zweiten Hälfte des
 18. Jahrhunderts wohnten hier zahlreiche Künstler, die "Friedrich der Große" beim Bau und der Ausschmückung seiner barocken Residenzstadt brauchte.
 Besonders erwähnt werden sollten:
- der Maler Christian Wilhelm Baron, um 1770 in Potsdam
- der Bildhauer Friedrich Christian Glume  d.J., ab 1744 in Potsdam tätig (z.B. Plastiken am ehemaligen Kutschstall am Neuen Markt, Balkon am Knobelsdorff-Haus)
- der Kunsttischler Johann Heinrich  Hülsemann
- der Dekorations- und Vedutenmaler Johann Friedrich Meyer, seit 1751 in Potsdam
- der  Zieratenbildhauer Matthias Müller, 1745 bis 1774 in Potsdam
- der Bildhauer Michael Christoph Wohler d. J., seit 1769 in Potsdam tätig (z.B. Bauschmuck an der Alten Wache und am Langen Stall).
Auch im 19. Jahrhundert wohnten im Holländischen Viertel zahlreiche Handwerker,
Kunsthandwerker und Gewerbetreibende. Dazu zählte auch die international bekannte Orgelbauanstalt Alexander Schuke (seit 1894), die dem Orgelbauer Gottlieb Heise (seit 1820) nachgefolgt war. Theodor Storm, von 1853 bis 1856 beim Potsdamer Kreisgericht als Assessor auf Zeit angestellt, wohnte in seiner dritten Potsdamer Wohnung vom 1. April bis Anfang Oktober 1856 im Haus Benkertstraße 15 bei einem Tischlermeister zur Miete.
 
 


 Das Holländische Viertel heute: [zurück]
 

Das Holländische Viertel hielt seine ursprüngliche Form im Wesentlichen bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts bei. Im Zeitalter der Industrialisierung kam es zu einschneidenden  Veränderungen: Die Höfe wurden überbaut; das Äußere der Häuser wurde "vereinfacht" und teilweise durch Zubauten verändert: die Brandgassen wurden z.T. zugebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg, der nur geringfügige Schäden verursacht hatte, kam es zum permanenten Verfall: Fehlende Farben, undichte Dächer, schadhafte Fenster und Türen ließen das Viertel immer verkommener erscheinen. Vergeblich versuchten die Bewohner mit den kaum vorhandenen Mitteln den allgemeinen Verfall zu verhindern. Die stärkere Besinnung auf Erbe und Tradition in der DDR seit Ende der sechziger/Anfang der siebziger Jahre führte dazu, dass Rekonstruktionsmaßnahmen ernsthafter diskutiert und vereinzelt versucht wurden. Im Stadtführer-Atlas Potsdam (1978) wird der Hoffnung auf eine Wende zum Besseren deutlich Ausdruck gegeben; wenn es heißt: "1973-1977 sind vier Häuser an der Ecke Friedrich-Ebert-/Mittelstraße rekonstruiert worden. Es sind Experimentalbauten, bei denen man Erfahrungen für eine Wiederherstellung des gesamten Viertels nach 1980 gesammelt hat." Dazu kam es wegen des allgemeinen ökonomischen Verfalls in der DDR allerdings nicht mehr. Vielmehr brachte das sogenannte "Freiziehen" vieler Häuser in den achtziger Jahren dem gesamten Viertel den Ruin. So wurde die gesellschaftliche Wende des Jahres 1989 auch zu einer neuen Chance für das Holländische Viertel. Man setzte sich zunehmend für die Restauration des Viertels ein. Und wie man sieht sind schon bedeutende Veränderungen eingetreten.
 
 


 Friedrich II. – Der König als Bauherr [zurück]
 

Friedrich II., der Große, König in Preußen, ab 1772 König von Preußen, wurde am 21. Januar 1712 in Berlin als Sohn Friedrich Wilhelm I. und Sophie Dorothees, Tochter des Kurfürsten von Hannover und Königs von Großbritannien, geboren. Er wurde mit der Autorität und Strenge seines Vaters und durch Hugenotten erzogen. Friedrich war musisch veranlagt und den Ideen der Aufklärung nicht verschlossen, z.B. führte er einen Briefwechsel mit Voltaire, der 1750-1752 als Gast des Königs in Potsdam weilte. Friedrich der Große war ein Philosophenkönig, äußerst gebildet, ungeheuer präzise, er herrschte als aufgeklärter Absolutist , mit religiöser Toleranz , von 1740 bis zu seinem Tod am 17. August 1786, in Potsdam Sanssouci. Unter dem Druck des Vaters heiratete er 1733 Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Nach seinem Regierungsantritt am 31. Mai 1740 führte der Herrscher vier große Kriege, u.a. drei Kriege in Schlesien. Der Monarch organisierte den preußischen Staat streng nach Ständen. Der Adel stellte die Offiziere und höheren Beamten, Handel und Gewerbe oblagen dem Bürgertum, die Bauern bestellten das Land.

Friedrich Wilhelm I. hinterließ seinem Sohn Friedrich eine ausgebaute Stadt mit 1154 Häusern und 11.708 Einwohnern. Der junge Monarch wählte Potsdam als seine zweite Residenz, fand aber wegen zwei Kriegen erst nach 1745 Zeit für seine Residenzstadt. Friedrich der II., als Bauherr, konzentrierte die Bautätigkeit auf die Bereiche der Altstadt und der ersten Neustadt, zielte dabei auf die repräsentative Gestaltung der Stadt ab. Ältere Häuser bekamen neue Fassaden oder wurden durch Neubauten ersetzt, jedoch Umbauten am Holländischen Viertel wurden unter Friedrich II. kaum noch vorgenommen. Auch das Territorium der Stadt Potsdam, über die vom Soldatenkönig gezogenen Mauern hinaus, wurde kaum erweitert. Friedrich der Große prägte mit seinen Bauwerken den Begriff des "Potsdamer Rokoko". Er holte sich namhafte Architekten in die Stadt, die seine Ideen und Pläne umsetzten. Noch später, nach seinem Tode, wurden nach seinen Skizzen Häuser gebaut.
 
 
 


 Der Stadtkanal und das Bassin; nicht nur als Verschönerung des Stadtbildes, sondern auch als notwendige Entwässerungsmaßnahme [zurück]
 

Große Sumpfgebiete der Havelniederungen setzten anfangs der Besiedelung natürliche Grenzen. So geschah also auch die Ausdehnung der Stadt nach Norden unter großen Schwierigkeiten. Weite Teile des Sumpfes mussten erst trockengelegt werden. Die Könige holten sich holländische Ingenieure, da Sie die Fertigkeit besaßen, sogar in sumpfigen Gelände zu bauen. Man benötigte umfassende Entwässerungsmaßnahmen, um die Feuchtgebiete ebenfalls bebauen zu können. Bereits ab 1673 wurden Kanäle angelegt.

Der Stadtkanal entstand Ende des 17. Jh. aus einer Anzahl Stadtgräben, die vor allem die Aufgabe hatten, das sumpfige Gebiet nördlich der Stadt trockenzulegen. Der Stadtkanal als Vorfluter ( Abzugs-, Entwässerungsgraben ) und Schifffahrtsweg löste also ältere Entwässerungsgräben ab. Er wurde auch Hauptkanal genannt. Der Kanal sollte den Grundwasserspiegel nach Vorbild der holländischen Grachten absenken, wurde daher auch von manchem als Gracht bezeichnet. 1715 – 1720 wurde der Stadtkanal reguliert und begradigt. Bis 1722 war er noch  nördliche und östliche Begrenzung der Altstadt. Der innerstädtische Wasserverlauf dieses Hauptkanals war schiffbar und verlieh Potsdam das Flair eines "Venedigs des Nordens" im Stile der holländischen Grachten. Später wurde er sogar von Havelkähnen befahren. Der Stadtkanal hatte außerdem eine wichtige Bedeutung beim Transport von Baumaterial für die sich, zur Zeit der Ersten Barocken Stadterweiterung ,vergrößernde Stadt. Unter Friedrich II. wurde der Kanal noch ausgebaut. Doch er stank, denn die Abwässer der Anlieger flossen ungereinigt ein. Wegen der nur geringen Strömung konnte der Kanal sich nicht selbst reinigen und verschlammte völlig. Er war eine große Geruchsbelästigung und wurde zum öffentlichen Ärgernis. Nach 1945 entschied man sich, den Stadtkanal zuzuschütten, was man auch in den 60er bis Mitte der 70er Jahre unseres Jahrhunderts tat, denn er passte auch nicht in das Konzept einer sozialistischen Stadtplanung. An seiner Stelle wurde ein Kanalisationssystem angelegt. ...( noch heute überlegt man sich, den alten Stadtkanal, der zum typischen oder besser prägenden Stadtbild gehörte, wieder auszugraben).

Da eine Bebauung auf Grund des Sumpfgebietes nicht überall möglich war, entstanden in Potsdam mehrere Plantagen, so auch die Plantage am Bassin, der spätere Bassinplatz. Während der Zweiten Barocken Stadterweiterung wurde bei Baubeginn südlich des Areals des Holländischen Viertels ein Sammelbecken angelegt, in dem das aus dem Baugelände abgezogene Wasser zusammenlief. Daraus ließ der König 1737 durch Boumann ein holländisches Bassin mit steinerner Einfassung einrichten, das durch einen schiffbaren Zuflussgraben mit dem Heiligen See und durch einen unterirdischen Abzugkanal mit der Gracht, dem Stadtkanal, verbunden war. In der Mitte des Bassins lag eine kleine Insel, auf der Boumann 1739 einen kleinen Pavillon, die "Gloriette", oder ein "Lustschlösschen auf holländische Art" (fälschlicherweise auch das "Tabakskollegiumshäuschen" genannt), aus roten Backsteinen errichtete. Auch in das Bassin flossen viele Abwässer aus den Häusern der anliegenden Straßen. Dadurch, dass die Wasserströmung eher gering und somit auch der Abzug gering war, verschlammte es immer mehr und ließ sich leider auch schwer reinigen. 1753 – 54 gab es die ersten Reinigungsarbeiten und Reparaturen am Bassin. 1764 wurde der unterirdische, gewölbte Abflusskanal des Bassins zum Stadtkanal erneuert. Im Jahre 1771 folgte die Erneuerung der gesamten Einfassung, weiterhin wurde das Bassin mit einem eisernen Geländer eingefasst. 1776 wurde diese Einfassung schon wieder repariert. Von 1800 bis 1805 wurde das Bassin nochmals gereinigt und die Bassineinfassung wiederhergestellt. 1825 bekam der Bassinplatz nach einem Plan Lenne’s ein neues Aussehen. Man begann mit der teilweisen Zuschüttung bis auf einen kleinen Teich mit 60m Durchmesser und der Insel in der Mitte. Die anliegenden Bewohner beschwerten sich (auch in schriftlicher Form) über die üblen und auch der öffentlichen Gesundheit schadenden Ausdünstungen des Bassins und baten mehrmals um die Zuschüttung. Diese Situation führte dazu, dass 1871 – 76 der Bassinrest und der Verbindungskanal zum Heiligen See verfüllt, d.h. endgültig zugeschüttet wurden. 1877 begannen dann die Planierungsarbeiten für neue gärtnerische Anlagen, die 1883 beendet wurden.
 
 


IV. Architektur im Holländischen Viertel
 

 Allgemeines zur Architekturplanung der holländisch inspirierten Häuser [zurück]
 

Das Holländische Viertel selbst besteht aus vier Karrees, die an den Straßenseiten symmetrisch angeordnet sind. Doch wird bei einer genaueren Betrachtung auffällig, dass diese Symmetrie durch das Vorstehen einiger Häuser und deren geringe Größenunterschiede , gestört wird.
Vermutlich hat dieser Makel seine Ursache an den relativ ungenauen Messinstrumenten. Dennoch war das Resultat eine "Form", wie sie den damaligen Ansprüchen einer "Idealstadt" genüge tat. Trotzdem gibt es zwei unterschiedliche Häusertypen:
- 5-achsige Traufenhäuser (5 Fenster in einer Reihe) und
- 3-achsige Giebelhäuser (3 Fenster in einer Reihe) mit teilweise unterschiedlichen Giebelformen
 Doch wurden viele Bauelemente als einheitlich streng vorgeschrieben, so zum Beispiel die ursprünglich grünen Fensterläden, bei Giebelhäusern Schnecken aus Sandstein, gequadert heraustretende Lysenen, barock aussehende Konsolen und die Fugen. Auch in den Häusern selbst gibt es eine Monotonie. Überall fallen die besonders stabilen Treppen auf, wie es sie auf Schiffen des 17./18. Jahrhunderts gab (Wahrscheinlich deshalb, weil der Baumeister, Jan Boumann, eigentlich in Holland Schiffsbaumeister war.). Nicht ganz symmetrisch angeordnet sind allerdings die Brandgassen zwischen den Häusern, obwohl diese kleinen Abweichungen kaum ins Gewicht fallen. Weitere Spuren von der Vorbildnation des Kurfürsten, Holland, findet man auch an Farbe, den Konsolen, der Portaldekoration und zum Teil an den Verzierungen. Die letztgenannten Elemente sind auch an holländisch inspirierten Gebäuden außerhalb des Viertels auffindbar. So an den folgenden Häusern:
- Jagdschloß Stern, erbaut 1730
- den großen Holländischen Häusern am Bassinplatz, erbaut von Gontart in den 50-60er Jahren des 18. Jahrhunderts
- an den Häusern in der Gutenbergstraße (Giebel)
- sowie an der Siedlung am Schillerplatz (Giebel/Backstein) aus der Jahrhundertwende
 Der Erwähnung wert ist noch die schon vorher beschriebene, im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gloriette, eine Art Lusthäuschen (im Volksmund als "Tabakhäuschen" bezeichnet) der Könige. Dieses, auf einer Insel im Bassin befindliche Häuschen, war durch die Sichtachse (Benkertstraße) aus dem Holländischen Viertel schon von Weitem sichtbar. Statt die zerstörte Gloriette wieder aufzubauen, ließ die Besatzungsmacht des Sowjetischen Sektors sie ganz abreißen und das Bassin zuschütten (1947). Heute heißt diese Stelle Bassinplatz.
 


 Die Backsteinfassaden [zurück]
 

 Das Mauerwerk

Ursprünglich war das Mauerwerk unangestrichen, da die roten Hartbrandziegel nur im Eigenfarbton wirkten. Den Kontrast dazu bildet eine im Querschnitt trapezförmig ausgebildete, helle Kalkmörtelfuge, welche in ihrer akkuraten Ausführung die gesamte Fassade gitternetzartig überzieht. Erste Farbanstriche erfolgten relativ kurz nach der Fertigstellung des Holländischen Viertels in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie sollten sicherlich auch Veränderungen und Überformungen des Mauerwerks kaschieren. Anstriche des 19. und 20. Jahrhunderts spiegeln den Zeitgeschmack wieder, so zum Beispiel gelb-grau für ganze Flächen, unter anderem in der Gründerzeit. Dennoch bleibt der rote Anstrich in unterschiedlichen Nuancierungen dominant.
 

 Das Traufgesimsbrett mit Konsolen

Ein bleiweißer Ölfarbanstrich war hier Ursprungsfarbton, später folgten meist in Verbindung zur Neugestaltung der Portaldekorationen Anstriche in einer gelb-grauen Farbnuancierung. Vermutlich sollte die Farbfassung dieser Architekturteile an edlere Materialien (z.B. Marmor oder Sandstein) erinnern.
 

 Die Portaldekorationen

Auch hier war der bleiweiße Ölfarbanstrich dominant. Unter Friedrich II. wurde die Farbgestaltung repräsentativer und vielfältiger. Im 19. Jahrhundert wurden die meisten Portaldekorationen entfernt, überformt, teilentfernt bzw. im Putz neu gestaltet.
 
 


 Die Einbauteile [zurück]
 

 Die Fenster und Fensterläden

Die erste Fenstergeneration hatte bleiverglaste Fensterflügel und geölte Rahmen aus Eichenholz. Später wurden die originalen Fensterteile vollständig oder teilweise ersetzt und entsprechend dem Zeitgeschmack farbig angepasst. Bei den Fensterläden ging man so weit, auch die Form im 19. und 20. Jahrhundert zu verändern.
 

 Die Türen und Tore

Über der öligen Grundierung war in der Regel ein bleiweißer Ölanstrich oder eine Absetzung in grün und gelb-ocker. Desweiteren waren sie meist auch noch mit einer Wachsschutzschicht versehen. Auch an diesen Elementen wurden in den darauf folgenden Jahrhunderten Veränderungen vorgenommen.
 

 Die Treppenanlagen

Die gesamte Treppenanlage wurde geölt und gewachst. Die Treppenteile insgesamt wurde in einem Rotton mit Ölfarben angestrichen. Der Anstrich von Pfosten erfolgte in Rot- oder Blautönen. Der Handlauf hatte einen schwarz bis schwarzbraunen Farbton.
 Im Anschluss muss nochmals bemerkt werden, dass spätere Generationen bzw. Besitzer ihre Häuser häufig nach individuellem Geschmack gestalteten.
 
 


V. Der holländische Baustil außerhalb des Holländischen Viertels
 

 Das Marmorpalais [zurück]

1787 gab Friedrich Wilhelm I. Carl von Gontard den Auftrag zum Bau des Marmorpalais. Der Außenbau wurde auf "holländische Art" gebaut. Es wurde mit rotem Backstein gemauert. Dieser holländische Stil sollte an die damalige Potsdamer Bautradition anknüpfen, die auf die Verbindung des preußischen Königshauses mit dem Haus Oranien hinweisen konnte. Der Grundriss im Erdgeschoss entspricht weitestgehend dem von Mauritshuis in Den Haag.
Im Neuen Garten in der Nähe des Schlosses pflanzte man Tulpen und "Oranienbäume". Es war auch ein holländisches Dorf zu sehen.
Der Gedanke war, dass man sich bei einer Bootsfahrt über den Heiligen See an eine holländische Flußlandschaft erinnert.
 
 


 Die Platz- und Wegefläche hinter dem Neuen Palais in Sanssouci [zurück]
 

Die Platz- und Wegefläche hinter dem Neuen Palais im Park Sanssouci ist nach dem holländischen Vorbild der Platz- und Wegeflächenpflasterung gebaut worden. Zu dieser Pflasterung wurden Ziegelsteine längsseitig in die Erde gesteckt. Diesen holländischen Pflasterungsstil nennt man "Mopke".
 


 Das Holländische Etablissement [zurück]
 

Das Holländische Etablissement liegt links an der zum Schloss führenden Hauptallee im Neuen Garten. Dazu gehören das Damenhaus, die Pferdeställe und Wagenremisen. Entstanden ist das Holländische Etablissement 1789-1790 nach Plänen von Carl Gontart Langhaus und Andreas Ludwig Krüger.
 
 


 Das Jagdschloss am Stern [zurück]

Bereits im 15. Jahrhundert wurde die Umgebung Potsdams von den Hohenzollern bevorzugt als Jagdgebiet genutzt. Im Zusammenhang mit der nach französischem Vorbild an den europäischen Fürstenhöfen in Mode gekommenen Parforcejagd ließ Friedrich Wilhelm I. in den Jahren 1725-1729 eine solche Jagdanlage ausbauen. Er war ein leidenschaftlicher Anhänger der Parforcejagd. Für diese Jagdform benötigt man möglichst ebene Wege ohne Hindernisse, einen lichten Wald mit wenig Unterholz und ein offenes Gelände, denn bei dieser Jagdart wird durch Hunde und reitende Jäger das aufgestöberte Wild bis zur Erschöpfung gejagt und mit Gewalt (par force) erlegt oder zu Tode gehetzt. Dafür waren die anderen angelegten Jagdgebiete um Potsdam (Pirschheide, Großer Tiergarten (Potsdamer Heide), Kleiner Tiergarten (nördlicher Teil des Park Babelsberg) ) ungeeignet. Friedrich Wilhelm I. waren die ältesten brandenburgisch-preußischen Jagdsterne im Berliner Tiergarten bekannt. Bei seinem Vorhaben orientierte er sich aber besonders am Tiergarten des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau.
1730 – 1732 ließ er an der südöstlichen Seite des Wegesterns ein Jagdschlösschen errichten. Das rote Backsteingebäude im holländischen Stil weist auf des Königs Aufenthalte in Holland 1700 und 1704/05 hin. Ein möglicher Grund für den Bau des Jagdschlosses könnte das Nachlassen der Kondition Friedrich Wilhelm I. gewesen sein. Mit dem Jagdschloss als Übernachtungsmöglichkeit konnte er nun auch über mehrere Tage auf die Jagd gehen. Dieser Schlossbau ist der einzige unter Friedrich Wilhelm I., wobei die Bezeichnung "Schloss" sehr übertrieben ist. Das Gebäude ist ein schlichter, roter, unverputzter Ziegelbau, der bürgerlichen Reihenhäusern in Holland ähnelt. Die Leitung dieses Bauprojekts hatte der damalige Hofbaumeister Pierre de Gayette. Mögliche Architekten sind Cornelis van den Bosch aus Schippley bei Den Haag – er erscheint in den Bauakten im Zusammenhang mit Bauholzanforderungen – und der holländische Maurermeister Sonsbrick – ihn haben andere Autoren als Architekt genannt, jedoch ist sein Name nicht in den Akten zu finden. Der Bau war abhängig von einem holländischen Vorbild; auch war kein künstlerisch eigenständiger Architekt vorhanden. Daraus resultieren wahrscheinlich auch die Unterschiede, die man besonders an Haupt- und Rückfront vorfindet. Die Hauptfront wurde mit Geschosshöhe gebaut (2 Geschosse), die Rückfront dagegen in Giebelhöhe. Mit den seitlichen Schneckenornamenten und der oberen Abdeckung des Schildgiebels wurde in einfacher Form die seit der Renaissance im niederdeutschen und holländischen Raum übliche Kombination von Hausstein und Ziegelmauerwerk fortgesetzt. Der Bau war offenbar größer geplant. Darauf verweisen der große Kamin, das vermauerte Blindfenster in der Giebelspitze, sowie die oberen großen Fenster, die wahrscheinlich für ein Obergeschoss gebaut wurden. Nun reichen die äußeren Ecken über die Dachschräge hinaus. Über der Tür an der Hauptfront findet man ein sparsames Jagdrelief. Im Giebel befindet sich ein quadratisch gefasster Sechsstern. Hinter den hohen lichten Schiebefenstern, eine typische Fensterform des 18. Jhd. in Holland und England, ist ein großer Saal zu bewundern, der nahezu die Hälfte des Gebäudes einnimmt. Dieser Saal wurde nicht, wie alle übrigen Räume, im holländischen Stil gebaut. 1732 – 1736 wurden in diesem Jagdsaal die abgeworfenen Geweihe des Lieblingshirsches des Soldatenkönigs "Großer Hans" an die Fensterpfeiler gehängt. Der letzte Fensterpfeiler ist leer, da der Hirsch verstarb. Sehr typisch für den holländischen Baustil ist die Küche, die bis unter die Balkendecke gefliest ist.  Der Scheuerleistenbereich im Adjutantenzimmer und im Flur ist ebenfalls gefliest. Diese manganfarbenen Fliesen sind mit einem Tulpenmuster bemalt. Der Boden der Küche, des Adjutantenzimmers und des Flurs ist mit rotbraunen schwedischen Fliesen bedeckt. Im Schlafzimmer wurde in die Holzwand ein Bett eingefügt – das erinnert an Schiffskojen oder Bettladen in friesischen Fischer- und Seemannshäusern. Im Traufbereich wurde das Gebäude mit flachstehenden Ziegelsteinen umpflastert, >Mopke<. Seit dem 19. Jhd. findet man diese Mopke auch als Vorplatz vor dem Hauptgiebel. Heute ist fast die vollständige Inneneinrichtung der Entstehungszeit im Jagdschloss zu bestaunen. Neben dem Schloss ließ Friedrich Wilhelm I. 1733 das Kastellanhaus aus Fachwerk erbauen, welches ein überhängendes Dach hat. Diese heutige Gaststätte war bereits im 18. Jhd. ein beliebtes Ausflugsziel, da das Kastellanhaus bereits damals eine Schankgenehmigung hatte. Das Jagdschloss ist Ausgangspunkt eines rund 4 km langen Wanderwegs durch die Parforceheide. Das Jagdschloss mit dem Kastellanhaus ist in einem wunderschönen Kiefern-Eichen-Forst eingebettet. Als Vorläufer des holländischen Baustils in Potsdam hat das Jagdschloss große Bedeutung für Potsdams Baugeschichte. Der Stern ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse zur Geschichte der Jagdausübung an den Fürstenhöfen im 18. Jhd. auf deutschem Boden. Er zeigt den hohen Stand preußischer Vermessungskunst um 1725.
 


VI. Bilddokumente  [zurück]


restauriertes Traufenhaus [zurück]


Ansicht der Mittelstraße [zurück]


typisches Giebelhaus, mit danebenliegendem Traufenhaus [zurück]


restaurierte Giebelhäuser [zurück]


Traufenhaus [zurück]


Traufenhaus, historische Gaststätte "Fliegender Holländer"


Giebelhäuser [zurück]


FRIEDRICH DER GROßE [zurück]


 Literaturverzeichnis [zurück]

· Bahra, Hanne, und Ingo Lamberty. Potsdam. Berlin: Argon Verlag GmbH, 1997.
· Bahra, Hanne, und Ingo Lamberty. Potsdam: Ein Reisebegleiter. Potsdam: Argon Verlag GmbH, 1990.
· Dehio, Georg. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Stadtkreis Potsdam. Berlin: Deutscher Kunstverlag München Berlin, 1988.
· Dr.Baumgarten, Peter (Hg.). Baedeker Allianz Reiseführer: Potsdam. Stuttgart: Verlag Karl Baedeker GmbH, 1993.
· Dr.Pappenheim, Hans Eugen. Jagdschloß Stern: Studien zur Forstästhetik des deutschen Barock. Berlin: o.V., 1935.
· Dubilski, Petra. Potsdam. Köln: Du Mont Buchverlag, 1992.
· Edition Rieger (Hg.). Brandenburgs Kurfürsten Preußens Könige: Das Taschenlexikon. Berlin: Edition Rieger, 1994.
· Franzina, Emilio. Friedrich der Große: Eine Biographie von Emilio Franzina. Verona: Edizioni Futuro, 1981.
· Generaldirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hg.). Jagdschloß Stern. Potsdam: Druckhaus Chemnitz, 1987.
· Generaldirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci (Hg.). Friedrich II. und die Kunst: Ausstellung zum 200. Todestag Teil 1. Potsdam: Druckhaus Chemnitz, 1986.
· Giersberg, Hans-Joachim, und Hartmut Knitter. Potsdam. Berlin/Leipzig: VEB Tourist Verlag Berlin/Leipzig, 1978.
· Kosthofer, Gerd. Potsdam: mit Werder und Brandenburg. Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag GmbH, 1991.
· Magistrat der Stadt Potsdam (Hg.). Holländer in Potsdam: Zur Geschichte Programm der Begegnung mit den Niederlanden. Potsdam: Märkische Verlags- und Druckgesellschaft Potsdam, 1993.
· Massenbach, Heinrich Freiherr von. Die Hohenzollern einst und jetzt. Rosenheim: Verlag Tradition und Leben, 1994.
· Mielke, Friedrich. Potsdamer Baukunst: Das klassische Potsdam. Frankfurt/M/Berlin/Wien: Verlag Ullstein GmbH, 1981.
· Mittenzwei, Ingrid. Friedrich II. von Preußen: Eine Biographie. Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1979.
· Nicolai, Friedrich. Beschreibung der königlichen Residenzstadt Potsdam und der umliegenden Gegend: Eine Auswahl. Leipzig: Reclam Verlag Leipzig, 1993.
· Otto, Karl-Heinz. Kulturhistorischer Führer in Wort und Bild: Holländisches Viertel. O.O., o.J..
· Punzel, Volker. Zum Fliegenden Holländer: Die Traditionsgaststätte im Holländischen Viertel zu Potsdam. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann GmbH, 1996.
· Ranft, Ferdinant (Hg.). Potsdam mit Umgebung: Reiseführer mit Insider-Tips. Hachette: Mairs Geographischer Verlag, 1993.
· Schmelz, Ullrich. Das Holländische Viertel in Potsdam. Potsdam: Verlag Sperl-Galerie, 1992.
· Schneidewind, Bernhard, und Manfred Schürmann. Potsdam und Umgebung. Berlin: Verlag Ullstein GmbH Frankfurt/M, 1991.
· Seiler, Michael, und Jörg Wacker. Insel Potsdam: Ein kulturhistorischer Begleiter durch die Potsdamer Parklandschaft. Berlin: Verlag Dirk Nishen, 1990.
· Theiselmann, Christiane. Potsdam. München: Polyglott-Verlag Dr.Bolte KG, 1997.
· Volk, Waltraut. Historische Straßen und Plätze heute: Potsdam. Berlin: VEB Verlag für Bauwesen,1988.
· Wendland, Christian (Hg.). Holland an der Havel: Das Holländische Viertel in Potsdam. Potsdam: Universitätsdruckerei Potsdam, 1995.
· Willmann, Lothar, und Jürgen Jessel. Farbiges Potsdam. Leipzig: VEB F.A. Brockhaus Verlag, 1986.
 
 


Fremdwörter

  1. Unikat: Einzelstück [zurück]
  2. Privilegierung: Einrichtung einer Sonderstellung/Ausnahmerechte für einen einzelnen oder
                               eine Personenmehrheit  [zurück]
  3. Imperii: Urteil [zurück]
  4. Merkantilismus: Wirtschaftspolitik des Absolutismus  [zurück]
  5. Grenadier: Soldat einer Elitetruppe  [zurück]
  6. Residenz: Wohnort, Wohnsitz eines Oberhauptes; Fürstensitz; Sitz der Regierung [zurück]
  7. Verduten: ‘Veduten’ – Landschafts- oder Städtebilder in naturgetreuer und zugleich
                        bildmäßig-künstlerischer Wiedergabe [zurück]
  8. Assessor: Anwärter auf den höheren Staatsdienst  [zurück]
  9. Absolutist: Anhänger der Willkürherrschaft  [zurück]
10. repräsentativ: würdig, ansehnlich  [zurück]
11. Pavillon: kleines Gartenhaus mit zeltartigem Dach  [zurück]
12. Karree: "viereckig" – viereckiger Häuserblock  [zurück]
13. Lysenen: Mauervorsprünge, die der symmetrischen Aufteilung der Front eines Gebäudes
                     dienen  [zurück]
14. Konsolen: aus einer Wand oder Pfeiler vorspringender Tragstein für z.Bsp. Bogen,
                       Figuren  [zurück]
15. Fugen: Abstand zwischen den Ziegelsteinen eines Mauerwerks  [zurück]
16. Brandgasse: Gasse im Karree, zur Verhinderung der schnellen Feuerübergreifung von
                           einem Gebäude auf das andere; Einfahrt für die Feuerwehr[zurück]
17. Hartbrandziegel: besonders hart gebrannte Ziegel[zurück]
18. kaschieren: so darstellen oder verändern, daß bestimmte Mängel nicht erkennbar sind;
                         verdecken, verbergen [zurück]
19. Nuancierung: Abstufung[zurück]
20. Parforcejagd: par force – "mit Gewalt" – Hetzjagd mit Pferden und Hunden[zurück]
21. Giebel: lotrechter Dachabschluß[zurück]
22. Ornamente: Verzierungen, Verzierungsmotive[zurück]
23. Relief: "das Hervorheben" – plastisches Bildwerk auf einer Fläche[zurück]
24. Adjutant: "Helfer, Gehilfe" – den Kommandeuren militärischer Einheiten beigegebener
                      Offizier [zurück]
25. Traufe: die untere Begrenzung einer Dachfläche [zurück]
26. Forst: angelegtes Waldgebiet, wird meist zur Holzgewinnung verwendet[zurück]
 
 

href="#traufbereich">zurück]
26. Forst: angelegtes Waldgebiet, wird meist zur Holzgewinnung verwendet[zurück]