1. Allgemeines:
Alexandrowka liegt im nördlichen Teil der Stadt Potsdam im Bundesland Brandenburg. Für die letzten zwölf von 62 russischen Sänger eines Chores wurde vom Preußischen König Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1826 bis 1827 Alexandrowka angelegt. Heute ist das gesamte Alexandrowka ein Teil der UNESCO(Weltkulturerbe). Friedrich Wilhelm III und der russische Zar Alexander waren gute Freunde. Um der Freundschaft Ausdruck zu verleihen, hatte Friedrich die russische Kolonie Alexandrowka errichtet. Als Vorbild für die Kolonie diente das Parkdorf Glasovo bei St.Petersburg. Am Kapellenberg, der sich nördlich der Kolonie befindet, erreicht man eine kleine russische orthodoxe Kirche, die seit dem 19.Jahrhundert vorhanden ist, namens Alexander-Newski. Noch heute zeigt sich die bis in unsere Tage in gutem erbaulichen Zustand erhaltene Alexandrowka den Flair eines russischen Militärdorfes des 18. Jahrhunderts. Die Idee besondere Militärsiedlungen anzulegen, erfüllte damals einen Doppelsinn. Zuerst sollte eine größere Anzahl von Soldaten auf relativ engem Raum zusammengehalten und damit im Bedarfsfall schnell verfügbar werden. Zum anderen löste der Zarenstaat die aufgrund noch mangelhafte Logistik schwieriger Aufgaben seine Soldaten zweckmäßig und preiswert zu ernähren. Auch wenn die Russische Kolonie Alexandrowka mit ihrer auf dem nahen Kapellenberg gelegenen Alexander – Newski - Gedächtniskirche kein Vergleich mit den weltberühmten Parks und Schlössern von Sanssouci ist, so ist sie doch eine unverzichtbare Facette der Potsdamer Kulturlandschaft, die ein Besuch wert ist.
2. Geschichte:
1806 wurde das preußische -sächsische Heer durch Napoleons Truppen geschlagen. Preußen musste ein Zwangsbündnis mit Napoleon gegen Russland eingehen. Von den über 1000 Gefangenen, die 1812 in Russland gemacht wurden, blieben im Oktober 1812 62 russische Soldaten in Potsdam. Aus diesen 62 Soldaten erstellten sie wiederum einen Sänger-Chor zur Verwendung des Königs, um bei Anlässen Musik und Unterhaltung zu bieten. Im Frühjahr 1813 verbündeten sich Russland und Preußen gegen Frankreich. Die russischen Soldaten wurden auf Wunsch des preußischen Königs in ein eigenes Regiment eingegliedert. Russische und preußische Truppen, ehemalige russische Kriegsgefangene und preußische Deserteure kämpften unter gemeinsamer Führung gegen Napoleon. Im Heerlager des Königs sorgten weiterhin die russischen Sänger für Unterhaltung. Deshalb entschied sich Zar Alexander I. für das Verbleiben der russischen Sänger in Preußen. Als 1825 Zar Alexander der I. verstarb, lebten nur noch zwölf der russischen Sänger in Potsdam. Friedrich Wilhelm III. verlautete am 10. April 1826 folgende Order: "Es ist Meine Absicht, als ein bleibendes Denkmal der Erinnerung an die Bande der Freundschaft zwischen Mir und des Hochseeligen Kaisers Alexander von Rußlands Majestät, bei Potsdam eine Colonie zu gründen, welche ich mit den, von Seiner Majestät mir überlassenen Russischen Sängern als Colonisten besetzen und Alexandrowka benennen will. " 1827 zogen die ersten Bewohner in die Wohnung, welche vollkommen ausgestattet waren. Sie feierten ausgiebig mit Tanz, Spiel und Gesang. Es waren Garten angelegt und jeder bekam eine Kuh geschenkt. Ihnen war jegliche Abgabe der Wohnung, wie zum Beispiel vermieten, vererben oder zu verkaufen, untersagt. Die Häuser durften äußerlich keineswegs verändert werden, jedoch an männliche Nachkommen vererbt werden. Im September 1829 wurde die orthodoxe Kirche am Kapellenberg eingeweiht, welche nach dem russischen Nationalheiligen Alexander Newski benannt wurde. Neben der Kirche steht das vierzehnte Haus, welches der königliche Lakai Tarnowsky früher bewohnte. Der letzte Sänger verstarb letztlich im Jahre 1861. Im Jahre 1927 waren es nur noch zwei Familien, die dort lebten.. Die letzten verbleibenden Familien in der Kolonie sind zum einen die Familie Grigorieff und zum anderen Familie Schischkoff. Bis zur Enteignung der Hohenzollern 1926 war die Kolonie deren Privatbesitz. Die königlichen Bestimmungen über Rechte und Pflichten blieben bis im Jahr 1945 erhalten. Grundlegende Änderungen ergaben sich zunächst erst in der DDR. Zur heutigen Zeit sind die Häuser meistens in Privatbesitz. Im Januar 2005 wurde im Haus 2 das Museum eröffnet, welches den Besuchern einen Einblick in die Geschichte und die Architektur der Blockhäuser ermöglicht. Dieses Museum zeigt die Bauweise und gibt auf zahlreichen Tafeln Erläuterungen zur Geschichte dieser einmaligen Siedlung.
3. Das Leben in Alexandrowka:
Schon Ende 1826 konnte Snethlage den baulichen Abschluss der 13 Blockhäuser von Alexandrowka melden. Allerdings wurde noch auf dem „ Alexanderberg “ an dem Haus des Kirchenvorstehers gearbeitet. Noch immer war der Baubeginn der Kirche für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen, da die Baupläne noch fehlten.
3.1 Die letzten Arbeiten vor dem Einzug:
Auch der königliche Gartendirektor war nicht untätig geblieben, während fleißig an der Kolonistengehöften gebaut wurde. Das Gartenland war unterdessen unter Lenné’s Leitung gedüngt, bearbeitet und mit Obstbäumen bepflanzt worden. Mit Staketen und Hecken waren die Grundstücke der künftigen Kolonisten und des Kolonievorstehers eingefriedet worden. Aber die Chaussierung der Alleen entlang der Jägerallee (heute „Am Schragen“) und der Nauener Allee (heute „ Friedrich-Ebert-Straße“), die ebenfalls im Herbst 1826 abgeschlossen werden konnten, machten die meiste Arbeit. In die umfangreiche Landschaftsgestaltung hatte Lenné auch den „Alexanderberg“ einbezogen und an dessen Hängen Wege anlegen und Bäume pflanzen lassen. Für Oberst Röder gab es jedoch, bis die Kolonisten einzogen, noch vieles zu tun, auch wenn die Neugier so manchen Potsdamer zu den Holzhäusern an dem Nauener Tor zog und das ganze Gebiet bereits ein tolles Aussehen hatte. Die Häuser mussten noch eingerichtet werden, das heißt, mit den lebensnotwendigen Einrichtungsgegenständen und allerlei Utensilien versehen werden. Dabei wachte der Oberst streng darauf, dass die Ausgaben in keinem Fall 250 Taler pro Kolonistenstelle überschreiten durften. Noch dazu mussten die komplizierten Eigentumsverhältnisse geregelt und die letzten Junggesellen der russischen Sänger verheiratet werden. Besonderes Kopfzerbrechen musste dem Organisator gerade die letzte Aufgabe des künftigen Kolonielebens bereitet haben. Schließlich hatte er ja selbst festgelegt, dass nur die Sänger in den Genuss einer „Villa“ im Alexandrowka gelangen, die auch verheiratet waren. Zu dieser Zeit bestand sein Soldatenchor aus 19 russischen Sängern, von denen aber leider nur neun verheiratet waren. Doch er muss anscheinend noch drei der Sänger überzeugt haben zu heiraten, denn zum Schluss konnten doch noch alle 12 Kolonistenhäuser befehlsgemäß bezogen werden.
3.2. Das Kolonistenleben:
Und am 2. April 1827 war es dann auch soweit. Die 12 russischen Soldaten des Chores feierten mit ihren Familien den Einzug. Doch dann zog allmählich der Alltag in Alexandrowka ein, das Leben verlief vor dem Nauener Tor wieder nach den strengen Gesetzen des preußischen Reglements, denn der König war der Meinung, dass er nur durch direkte Unterstellung der Russischen Kolonie unter die Hoheit des Garderegiments seine Absichten verwirklichen könne. In einer Kabinettsorder hießt es deshalb: „Die Kolonie bleibt unter dem unmittelbaren Befehl, der Aufsicht und Direktion des Ersten Garde - Regimentes zu Fuß. Ein Feldwebel desselben führt die allgemeine Aufsicht. Seine Instruktion empfängt er vom Kommandeur des Regiments .“ Doch es waren nicht allein die dienstlichen Pflichten, die für die Erstbewohner der Russischen Kolonie den Alltag erschöpfend gestalteten. Geknausert hatte der König bei der Einrichtung der Kolonistenstellen schließlich nicht und sie mit allem lebensnotwenigen ausgestattet. Die überlassene Ausstattung der Gehöfte reichte von der Kuh im Stall bis zum bepflanzten, ausgedehnten Garten, von Spinnrad und Kinderbett bis zu Töpfen, Schlüsseln und Besteck. Auch die Stubenuhr fehlte nicht, denn die Soldaten standen ja auch weiterhin im Dienst des preußischen Königs und ein Soldat seinerseits sollte wissen, wie spät es war. Auch hinterm Haus musste Ordnung herrschen. Denn jede Unsauberkeit in Haus, Hof und Garten wurde streng geahndet. Wenn es ganz schlimm war, konnte Unordnung mit dem Verlust der Kolonistenstelle bestraft werden. Der König hatte sich, bei aller Großzügigkeit seinen Sängern gegenüber, die Häuser und Grundstücke von Alexandrowka als Eigentum gesichert. Den Kolonisten ist in der Order der Nießbrauch an den Stellen übertragen sowie gleichzeitig mit der Unterhaltspflicht das Verbot von Veränderungen an den überlassenen Immobilien festgeschrieben worden. Was das Erbrecht betrifft, hatte der König dieses nach der Erstgeburtsregel ausschließlich an die ehelichen männlichen Nachkommen gebunden.
3.3. Die Alexandrowka und die Urkunden der Generation:
Noch heute möchte man gerne in Alexandrowka wohnen. Die Bewohner der heutigen Zeit haben sich schon daran gewöhnt, in einem der Denkmäler der Stadt Potsdam zu wohnen. Viele von ihnen wenden sehr viel Zeit dafür auf, diese in die Jahre gekommenen Blockhäuser mit ihrem typisch russischen Zierrat zu erhalten. Und wenn man sich die Häuser mal genauer betrachtet, wird sofort an ihre einstigen Bewohner erinnert. Die dörflichen Siedlungen hatten nach russischem Brauch keine Hausnummern, ihre Häuser hatten kleine Schilder mit dem Namen ihrer Bewohner. Sie wurden erst nummeriert, als eine Kolonistengeneration herangewachsen war, die bereits nicht mehr des Russischen mächtig war. Das genau in der Mitte gelegene Haus des Kolonievorstehers erhielt die Nummer 1 und ein zweisprachiges Schild mit der Aufschrift „Colonie Alexandrowka“. Jedoch sind leider viele dieser ersten und teilweise die Stammbaumforschung der Familie bis zu ihren Urvätern aufzeigenden, legendären Namenschilder verlorengegangen. Aber zum Glück kann man heute noch einige bis zu den Soldatensängern zurück verfolgen. Die schwarzen Schilder mit der weißer Schrift tragen die Namen der Verstorbenen. Aufmerksame Beobachter können eintauchen und anhand der Namensschilder unter den Galerien und Balkonen erahnen, dass es mit den männlichen Nachkommen der Sänger von Alexandrowka schlecht bestellt war. Sechs Sänger starben kinderlos und zwei blieben ohne erbberechtigte Söhne. Wenn man mal das Glück hat, sich mit den Einwohnern der Alexandrowka heute zu unterhalten, wird einem auffallen, dass sich in ihrer Sprache kein russische "Zungen - R" erhalten hat und kein Akzent weist auf ihre Urväter. So könnte man sie fast allesamt für Urpreußen halten. Dort leben nur ganz normale Brandenburger, die keine russische Sprache sprechen.
4. Architektur:
Zu der Anlage und der Architektur von Alexandrowka gibt es viel zu berichten. Peter Joseph Lenné hatte zum Anfang zwei völlig unterschiedliche Entwürfe. Er wurde beauftragt nach dem Vorbild russischer Soldatendörfer und den Gedanken von Friedrich Wilhelm III. Pläne für die geplante Kolonie zu erstellen. Er gab dem Gelände eine Form von einem Hippodroms und in der Mitte ein Andreaskreuz, an dessen Schnittpunkt das Haus des Feldwebels stand. Dies wurde umgesetzt durch den Hofgärtner Johann Georg Morsch. Für die Pläne war der italisch/russische Architekt Carlo Rossi verantwortlich. 100 Militärhandwerker errichteten die Häuser als Fachwerkhäuser mit halbrunden vorgesetzten Holzstämmen. Dies erweckte den Eindruck von russischen Blockhäusern. Die Idee hingegen kam von dem Kommandeur Kapitän Snethlage. Er hatte auch schon in vorherigen Projekten die Bauleitung getragen. Die Kolonie besteht aus 12 Gehöften und deren Giebelhäusern, die ein- und zweistöckig sind. Insgesamt findet man 13 Holzhäuser vor. Ein Aufseherhaus ohne großen Garten und dann noch ein Haus, also das Vierzehnte, findet man an der Kirche vor. Dort wohnte im ersten Stock der Aufseher. Im Obergeschoss befand sich die königliche Samowarstube. Eigentlich hätten die Dächer der Häuser nach russischem Vorbild mit Stroh bedeckt sein müssen, doch dann entschied man sich für die preußische Variante und nahm schließlich Holzbretter. Diese wurde allerdings im 19. Jahrhundert durch eine Schieferdeckung ersetzt. Alle Gehöfte besitzen eine Wohnung mit einen Balkon und vorgelagerter Loggia, welches durch eine überdachte Toreinfahrt mit einem kleinen Stallgebäude verbunden ist. Die Kirche sollte von allen Häusern aus gut zu erblicken sein. Deshalb steht sie auf dem Kapellenberg. 1826 waren die Arbeiten schon abgeschlossen.
5. Alexander- Newski- Kirche
5.1. Wie sie enstand:
In dem königliche Auftrag, den der Hauptmann Snethlage und Peter Joseph Lenné ausführen sollten, hieß es, dass die Alexander- Newski -Kirche ausschließlich der geistlichen Betreuung der russischen Kolonisten dienen sollte. Diesmal jedoch sollte die orthodoxe Kirche als Kunstwerk in die Baugeschichte der Hohenzollern eingehen und hier einen würdevollen Platz einnehmen. Friedrich Wilhelm III. forderte einen Kirchenbau russischer Art, in dem sich auch die Stilmöglichkeiten des Berliner romantischen Klassizismus entfalten sollten. Deshalb beorderte der König zu dem bereits in Alexandrowka wirkenden Zweigespann Lenné und Snethlage seinen Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781 – 1841). Dieser war schon seit 1810 für Preußen präsent und arbeitete zu diesem Zeitpunkt auch am Alten Museum und Schloss Glienicke. Dank seinem Mitwirken wurde die Kirche erst zu diesem Kunstwerk, welches noch heute mit seiner unnachahmlichen Klassizität überwältigt. Der russische Zarenhof lieferte am Beispiel der Kiewer Desjatin Kirche die Baupläne für die Potsdamer orthodoxe Kirche. Jedoch nicht nur die Risse des Kirchenbaus stammten aus Petersburg. Zar Nikolaus ließ durch seine besten Künstler zwei Entwürfe anfertigen, da Friedrich Wilhelm III. bei der Ausstattung besondere Sorgfalt und Originalität gefordert hatte. Der personelle Aufwand des Kirchenbaus belegte bereits im Vorfeld, welchen Wert der Kirchenbau für den König hatte. Der Generaladjutant des Zaren benachrichtigte am 20. Januar 1828 über zwei erarbeitete Entwürfe der Altarwand. Er übergab diese an Schinkel, damit er diese einer fachlichen Begutachtung und einer kritischen Korrektur unterzog. In seinem endgültigen Gutachten am 01. Juli 1826 heißt es: „Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich hierbei die beiden Zeichnungen der Russischen Kapelle wieder zurückzureichen. Auf der einen habe ich eine Papierklappe aufgeheftet, auf welcher angegeben ist, wie der obere Aufsatz mehr in Übereinstimmung mit dem unteren Teile zu bringen ist; eine besondere beiliegende Bleistiftzeichnung gibt an, wie das ganze mehr Einfachheit und Ruhe in der Anordnung gewinnen könnte, und ein gleichfalls angefügtes Blatt gibt noch Aufschlüsse über die von mir vorgeschlagenen Veränderungen ...“ Der König erkannte nicht alle Vorschläge von Schinkel an, jedoch fand dessen Grundanliegen sein königlichen Wohlwollen. Schinkel verstärkte dabei vor allem die klassizistischen Elemente, ohne das Gedankengut der altrussischen Baukunst in Vergessenheit geraten zu lassen. Durch kluge Symbole russisch – orthodoxer und deutscher klassizistischer Architektur gelang ihm so eine künstlerisch vollendete Kostbarkeit, das die Jahrhunderte überdauerte.
5.2. Die Grundsteinlegung:
Lenné hatte als ursprüngliche Lage für das Gotteshaus den Rand Alexandrowkas vorgesehen. Der König jedoch wollte die Kirche an einer hervorgehobenen Stelle sehen. Und somit sollte der Minenberg als endgültigen Standort ausgewählt werden. Die Arbeiten an der russischen Kirche erfolgte parallel zum Bau der Alexandrowka, daher verzögerte sich der Baubeginn. Am 11. September 1826 wurde dann jedoch der Grundstein für die Kirche gelegt, wobei Friedrich Wilhelm III. nicht fehlen durfte. Der Grundstein sollte traditionsgemäß unter dem künftigen Altar liegen, aber aufgrund schwieriger Bodenbeschaffenheiten musste der gesamte Bau einige Meter weiter östlich errichtet werden, wodurch der Grundstein heute unter dem Westportal liegt. Er trägt in deutscher und russischer Sprache folgende Inschrift: „Im Jahre 1826 am 11. September wurden im Namen seiner Majestät des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. als ein bleibendes Denkmal der Erinnerung an die Bande der innigen Anhänglichkeit und Freundschaft für den am 1. Dezember 1825 höchstselig verstorbenen Kaiser aller Reußen Alexander Pawlowitsch Majestät der Grundstein zur Erbauung einer Kirche für den apostolischen, orientalisch-katholischen Glauben, unter Benennung des Heiligen Alexander Newsky, in der von des Königs Majestät aus dem Russischen Sängerchor des ersten Garderegiments zu Fuß gestifteten Gemeinde durch den Generalmajor v. Alvewnsleben, Commandeur der zweiten Garde-Division, gelegt und von dem Kaiserlich Russischen Gestandtschafts-Papst Johannes Tschudowsky feierlich eingeweiht.“ In der Kirche verbündete sich eine traditionelle russische und klassizistisch-deutsche Bautradition. In nur drei Jahren war die Kirche bereits vollkommen fertig gestellt und alle Arbeiten waren abgeschlossen. Die Kirche mit ihren Verbindungen der Bautraditionen sollte noch einmal als ein Symbol der Freundschaft zwischen preußischen und russischen Herrschern dienen.
5.3. Die Einweihung:
Zum ersten orthodoxen Gottesdienst versammelte sich am 10. Juli 1829 die Potsdamer russisch-orthodoxe Gemeinde im Beisein von Zar Nikolaus I. mit dem Gesandtschaftsgeistlichen Johannes Tschudoski in ihrer neuen Kirche auf dem Kapellenberg. Ganz genau 3 Jahre nach der Grundsteinlegung, am 11. September 1829, fand die feierliche Einweihung der russisch-orthodoxen Kirche auf den Namen Alexander Newski statt. Die vier Fassaden der Kirche gleichen einander. Die halbrunde Altarnische bildet den Abschluss der Kirche in östlicher Richtung. Das Seitenmaß hat jeweils 10,10 m. Darstellungen von Schutzheiligen befinden sich über den Torbögen. Über dem Südtor ist der Großfürst und Nationalheilige Russlands Alexander Newski, dem die Kirche gewidmet wurde, und über dem Nordtor der Schutzheilige der Soldaten Theodorus Stratilates dargestellt. Über dem Westtor ist Jesus Christus zu sehen und auf Lavastein sind Ikonen gezeichnet. Es gab zwei ausschlaggebende Gründe für die Wahl des Namen „Alexander Newski“. Zum einen wurde die Kirche als Andenken an den 1825 verstorbenen Alexander I. errichtet worden, dessen Schutzpatron Alexander Newski war und zum anderen hatten historische Bezüge dominiert. Die Einweihungsfeier fand mit übertriebenem Prunk im Beisein von Zar Nikolaus I. und Friedrich Wilhelm III. statt. Der Zelebrant war wieder einmal der Erzpriester Tschudowski, der Vorsteher der Berliner Gesandtschaftskirche. Die Kirchweihe wurde natürlich zünftig gefeiert, doch die Feier konnte erst zwei Tage später starten, nachdem die hohen Herrschaften wieder in ihre Residenzen zurückgekehrt waren.
5.4. Architektur:
In der Architektur gehört die Kirche zu den auf vier Pfeilern ruhenden kleinen Kreuzkuppelkirchen. Der Grundriss lässt ein in ein Quadrat eingebundenes griechisches Kreuz erkennen. Die Klassizität wird durch die 18,4 Meter hohe Zentralkuppel unterstrichen. Die Ostfassade ist als Apsis gewölbt und nimmt den Altarraum ein. Begleitet von vier Nebenkuppeln über den Eckräumen steigt der zylinderförmige Tambour mit ihren breiten Gustbögen empor und setzt sich in der Hauptkuppel fort. Der klassizistische Aufriss wird in den restlichen Fassaden nach Westen, Süden und Norden mit gleichem Maß weitergeführt. Die Fassaden sind außerdem senkrecht durch Stuckpilaster dreifach gegliedert. Als architektonisches Element der Gotik gelten die jeweils um die Mittelachse geführten Kielbögen. In Russland findet man den Kielbogen erstmals in der 1230 bis 1234 gebauten Georgs – Kathedrale in Jurjew – Polski. Oberhalb der Kielbögen sind unter Friedrich Wilhelm IV. (1795 – 1861) im Jahre 1851 jeweils Lavatafeln eingeführt worden, die auf goldenem Grund Ikonen des Malers Augustus von Kloeber aufnehmen. Wie oben schon erwähnt, zeigt die Ikone über dem Westportal Christus, das Südportal die Ikone des Heiligen Alexander Newski, das Nordportal weist die Ikone des Theodor Stratilates, einen Schutzheiligen der Soldaten, die Alexander – Newski – Kirche als Gotteshaus einer ursprünglichen Militärgemeinde aus. Die Kielbögen – Kapitelle sind in ein flaches ornamentales Gesimsband geführt, welches die Fassade horizontal gliedert und als Basis für die aufsteigenden schmalen lichtspendenden Rundbogenfenster dient. Durch die umfangreichen Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1977 bis 1993 ist die Bemalung der Kirche wieder ursprünglich zu besichtigen. Die Schlichtheit der glatten Wandflächen ist durch ein zartes Rosa betont. Die Ornamente und Fensterleibungen sind weiß abgesetzt und erhöhen somit die beabsichtigte Plastizität. Fünf Kuppeltürme, die sich symmetrisch um die fast 20 Meter hohe Zentralkuppel gruppieren, krönen das kubusförmige Kirchengebäude im traditionellen russischen Baustil. Alle Kuppeln sind in der typisch russischen Zwiebelform ausgeführt und waren erst mit Weißblech beschlagen, später jedoch durch Kupferblech ersetzt worden. Den Abschluss jeder Kuppel bilden vergoldete Kugeln, die jeweils ein Christus – Kreuz tragen. Die Klassizität des Kirchenbaus unterstreichen nochmals die umlaufenden Säulenfriese an allen Kuppeltürmen. Die Nebenkuppeln, die über den Ecken angeordnet sind, erhielten einen Tambour mit Blendbogengalerien. Dieses war ein häufig genutztes dekoratives Gestaltungselement der altrussischen Baukunst, das auch noch heute zum Besuch in die Alexander – Newski – Gedächtniskirche und zum Gottesdienst einlädt. Neben der Kirche steht das vierzehnte Haus, in dem heute der Erzpriester wohnt und sich um 1000 orthodoxe Gläubige aus unterschiedlichen Nationen kümmert. Sie treffen sich regelmäßig in dieser Kirche.
6. Die Beschreibung und Restaurierung
von Haus 2 und 8:
Zwei Häuser wurden in den vergangenen Jahren stark restauriert. Es handelt sich dabei um Haus zwei und Haus acht. Diese wurden von dem Bauherren und Stiftungsgründer Dr. Med. H.-A. Kremer saniert und wieder in den Originalzustand gebracht. Die Häuser bestehen nun schon über 175 Jahren und dabei wurden sie von ihren Bewohnern nicht sehr gut gepflegt. Der Zustand der Häuser war in einigen Fällen sehr erschreckend. Es wurden historische Hintergründe vergessen und einfach nach Belieben angebaut, Böden verlegt oder Wände verputzt. Als das DDR -Regime herrschte, verwahrlosten die Häuser stark. Nach der Vereinigung tat man viel für die Wiederherstellung der Häuser. Herr Kremer setzte sich stark ein, denn er wollte die Häuser vor dem Verfall retten. Die gesamte Restaurierung dauerte vier Jahre an. Dabei entdeckte man auch, dass Haus zwei und acht große historische Fundstücke und Details aufwiesen. Deswegen wurde das Museum in das Haus zwei verlegt. Dieses Museum öffnete am 19. Januar. 2005. Jeder, der Interesse zeigt, sollte hier einen Einblick in die Geschichte von Alexandrowka bekommen. Die Holzhäuser sind im Blockhausstil gebaut worden, die eine Gesamtanlage bilden und durch das Alleensystem entstand in der Mitte das Alexanderkreuz. Im Süden der Kolonie befindet sich das Haus Nummer 8. Dieses Haus hat ein Haupt- und ein Nebengebäude und einen Hühnerstall. Es wurde aus horizontal angeordneten Rundbohlen hergestellt. Das Haus ist einstöckig und die Wohnung hatte früher einen Flur, eine Küche, eine Stube und drei Kammern. Zwei Jahre war das Haus nicht bewohnt. Im Norden der Kolonie findet man das Haus Nummer zwei. Dieses besteht ebenfalls, wie das Haus Nummer 8, aus einem Haupt- und einem Nebengebäude. Doch dieses Haus ist zweistöckig. Es sind also zwei von einander getrennte Wohnungen. Die obere hat eine Außentreppe zum Hinein- gelangen. In dem Haus war früher in jeder der beiden Wohnungen eine Küche, ein Flur, eine Stube, drei Kammern und außerdem noch ein Keller sowie ein Stellgebäude. Dieses Haus wurde ausgiebig renoviert. Als erstes Paar bewohnten es 1827 der Unteroffizier Wolgin und seine Frau. Heute ist in diesem Haus, wie bereits erwähnt, ein Museum. Dieses soll zur Erinnerung dienen. In Vitrinen ist die ganze Geschichte Alexandrowka´s ausgestellt.
7. Übersicht zur Fachliteratur:
Heweller Verlag: „Alexandrowka“ Märkische Reisebilder Giensberg,
Hans - Joachim, und Adelheit Schendel;
Potsdamer: Verduten: Stadt. - und Landschaftsansichten vom 17. Bis 20. Jahrhundert
Potsdam: Potsdam - Sanssouci Verlag, 1982