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1. Beginn der jüdischen Einwanderung nach Brandenburg- Preußen bis nach Potsdam

Wahrscheinlich haben sich schon im 8., vielleicht auch erst im 10. Jahrhundert die ersten Juden im heutigen Brandenburg niedergelassen, aber die eigentliche Geschichte der Juden in Brandenburg beginnt 1671. Damals entschloss sich der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) fünfzig wohlhabende jüdische Familien, welche aus Wien vertrieben worden waren, aufzunehmen, um entvölkerte Landstriche zusammen mit aus Frankreich stammenden Hugenotten besiedeln zu können. Nicht nur bevölkerungspolitische Ideen spielten hierbei eine Rolle, sondern auch finanzielle Motive. Um den wirtschaftlichen Aufschwung Brandenburgs ein wenig anzukurbeln, erhoffte sich der Kurfürst, der die Juden als Kaufleute, Geldverleiher und Händler schätzte, dass diese nicht nur treue, loyale Untertanen sein, sondern auch die notwendigen Gelder mitbringen würden. Die zuwandernden Juden mussten jedoch ein Mindestvermögen von 10.000 Talern nachweisen können.
Zudem wurde ihnen allerdings ausdrücklich die Errichtung von Synagogen verboten. Das Gebet in den eigenen vier Wänden durfte hingegen vollzogen werden.

Mit dem bekannten Edikt von 1671, in dem der Kurfürst die Niederlassung der Juden in Brandenburg-Preußen gewährleistete, wurde die kontinuierliche Anwesenheit einer Minderheit im Staat datiert. Offiziell wurden Juden zu gleichberechtigten Untertanen ernannt und durften erstmals sogar Universitäten besuchen.
Der erste König von Preußen, der Nachfolger des Großen Kurfürsten, war Friedrich I. (1657-1713), der die Rechte der Juden erheblich einschränkte. Sein Nachfolger wiederum, Friedrich Wilhelm I.(1688-1740), bekannt als knauseriger Soldatenkönig, war noch härter. Eigentlich empfand er gegenüber jüdischen Bewohnern keinerlei Abneigung, sondern betrachtete sie lediglich als finanzielle Einnahmequelle. Er erfand immer wieder neue Judensteuern und machte nie einen Hehl daraus, dass es ihm nur an wohlhabenden Juden gelegen war. 1740 erklärte König Friedrich II. oder der Große (1712-1786), dass in seinem Staat jeder ‘’nach seiner Fasson selig werden’‘ könne. Zwar war er in religiösen Dingen tolerant, andernfalls gegenüber seinen jüdischen Untertanen unduldsam und voller Vorurteile. Auch er ließ nur reiche Juden ins Land, die sich bereit erklärten, Fabriken anzulegen.
Überlieferungen über den Beginn einer jüdischen Gemeinde in Potsdam sind spärlich, denn es ist unklar, ob vor dem Edikt von 1671 schon Juden in Potsdam einen mehr oder weniger festen Wohnsitz hatten. Potsdam war zu jener Zeit in wirtschaftlicher und verkehrstechnischer Hinsicht völlig unbedeutend und auch kein ländliches Zentrum mit Jahr- und Viehmärkten.

Der erste Jude, der sich mit seiner Familie dort niedergelassen hatte, war David Michael, der 1690 erstmals urkundlich in Erwähnung trat. Damals wurden die Juden in Schutz-, Hof- bzw. Geldjuden unterteilt. Er gehörte zu den Schutzjuden, besaß ein eigenes Haus und genoss gegenüber der Mehrheit der Juden einige Privilegien. 1720, also 30 Jahre nach Michaels Einwanderung nach Potsdam, folgten zwei weitere jüdische Familien. Einmal die Familie der Witwe Moses und zum anderen Familie Bacharach, welche Kramwarenhändler waren und ein mittelmäßiges Vermögen besaßen.

1730 waren erste Anfänge eines Gemeindelebens in Potsdam erkennbar. Eine neue Ära für die Industrie der Stadt sowie für die allgemeine Seidenindustrie begann mit dem 7. August 1730. Anstoß dafür gab der aus Prag stammende Schutzjude David Hirsch, der selbst Wollwarenhändler war und der ein Jahr später das Privileg zur Gründung einer Samtmanufaktur erhielt. Vielleicht hatte der Erfolg von Hirsch dazu beigetragen, dass innerhalb von 1730-1750 sich eine Anzahl von unternehmungslustigen Juden in Potsdam angesiedelt hat, um dort ihr eigenes Glück zu finden. Der uns heute unanständig erscheinende Vorschlag von Hirsch, auch Potsdamer Waisenkinder zur Arbeit heranzuziehen, ist im Übrigen vom König mit großem Wohlwollen aufgenommen worden. Kinderarbeit galt damals noch nicht als verpönt, sondern wurde als durchaus normal angesehen. Im Verlauf der Jahre nahm die Hirschsche Manufaktur unter den Samt- und Seidenfabriken des Landes die erste Stelle ein. Sie zählte bereits 144 Stühle und beschäftigte 32 Arbeiter.

Fabriziert und exportiert wurden u. a. Samt, Plüsch, Atlas und Damast. Unterstützung fand Hirsch beim König, der bekanntlich kein großer Freund der Juden war, sich jedoch von ihnen Vorteile für den preußischen Staat versprach. So stand in den damaligen Behördenakten der König: ,,sey mit dem bisherigen guten Erfolg der Potsdamer Fabrik wohl zufrieden und des publici Interesse erfordere es, selbige zu soutiren’‘.

1740 zählte die jüdische Gemeinde zehn Familien. In Potsdam war das Leben sicherlich nicht angenehmer als anderswo. Neben unmenschlichen Bedingungen hatten die jüdischen Mitbewohner eine Reihe anderer Auflagen zu leiden. Jährlich mussten sie 15.000 Taler ,,Schutzgeld’‘ sowie weitere Sonderabgaben zahlen. Hinzu kam die Verpflichtung, einen größeren Posten Porzellan aus der 1761 gegründeten Berliner Manufaktur abzunehmen, wenn eine Heirat bevorstand. Die kleine Potsdamer Gemeinde war von dieser Porzellankaufverpflichtung schwer betroffen, jedoch wurde diese nach dem Tod Friedrichs abgesetzt, da es aus den Gemeinden nichts mehr herauszupressen gab. Das erste geistige Oberhaupt der Gemeinde war Jerichel Michel, ein Gelehrter aus Polen, der 1760 sein Amt antrat. Auf sein Betreiben hin wurde im Jahr 1767 eine Synagoge errichtet. Er setzte sich für die Errichtung eines rituellen Bades ein, einer so genannten ,,Mikwe’‘ und beteiligte sich an der Ausarbeitung des 1776 verabschiedeten Gemeindestatuts, welches in 13 Paragraphen die Gemeindeangelegenheiten regelte. Erst 1851 mit Samuel Apolant wurden erstmals Reformen durchgesetzt, wie z. B. die Einrichtung eines gemeinsamen Religionsunterrichts für Mädchen und Jungen. Ihm folgte Tobias Cohn, der die Predigt in Deutsch einführte und Apolants Bemühungen nacheiferte. Letzter in der Reihe war Hermann Schreiber (1882-1955), der die Zerstörung der Synagoge auf dem Wilhelmsplatz miterlebte. Die soziale Struktur der Gemeinde war um 1900 kleinbürgerlich und mittelständisch geprägt. Meist hatten kleine Angestellte, Handwerker und Kaufleute sich in der Stadt niedergelassen. Die Gemeinde umfasste rund 500 Köpfe. Bankiers, Rechtsanwälte und Ärzte, die in Berlin arbeiteten, entdeckten nach 1900 Potsdam für sich als Wohnort. Die jüdische Gemeinde Potsdam entwickelte sich langsam, aber stetig.

 

2. Der Schutzjude Isaac Levin Joel

Potsdam war im 18. Jahrhundert einer der wichtigsten Standorte der brandenburgisch- preußischen Maufakturen, z. B. auf Grund seiner günstigen Lage an der Havel, wodurch der Transport vereinfacht wurde. Durch die Nutzung dieser Wasserstraße konnte beispielsweise die Spandauer Gewehrmanufaktur die letzten Arbeitsgänge an ihren Waffen im Militärwaisenhaus machen lassen. Während über die Samtmanufaktur des David Hirsch relativ viel bekannt ist, hat man den Manufakturen des Isaac Levin Joel nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl er zu seiner Zeit zu den bedeutenderen Juden zählte.

Isaac Levin Joel wurde 1712 als Sohn einer jüdischen Gelehrtenfamilie in Halberstadt geboren. Anfangs war er lange Deputier der kurmännischen Judenschaft. Das heißt, dass er für den Staat von den Juden Geld eintrieb und somit beim Staat gern gesehen war. Am 26. Februar 1734 erhielt er einen begehrten Schutzbrief, in dem Rechte, Pflichten und Verbote durch das Generaljudenreglement festgesetzt waren.

Im Jahre 1746 (Datum nicht genau bekannt) gründete er eine Ausnähe- oder Bordiermanufaktur mit einem Startkapital von 20.000 RT, was für die damalige Zeit eine beachtliche Summe war. Er beklagte sich oft über die hohen Materialanschaffungskosten und suchte gleichzeitig nach einer geräumigen Wohnung im Militärwaisenhaus für seine Arbeiter. Dieses Anliegen wurde dann 1753 durch einen Kontrakt förmlich bestätigt. Als Gegenleistung für die Unterkünfte musste er für die Waisen jedoch Kleidung bereitstellen. Er fing mit der Produktion von Frauenröcken an und kurze Zeit später konnte er sein Sortiment durch Seide, Gold und Silber, Bordüren, Maßwesten, Mützen, Schuhe und anderes aufhellen. Noch im selbem Jahr zog seine Fabrik in das Mädchenhaus im Lindenhof ein.

Sein Ehrgeiz und vermutlich auch der angestrebte Versuch, in Potsdam langfristig bestehen zu können, trieben ihn zu dem Wunsch, auch noch eine Tapetenmanufaktur zu gründen, in der Seiden-, Papier- und Wachsleinentapeten hergestellt werden sollten. So erhielten Isaac Joel und sein Berliner Geschäftspartner, der Jude Salomon 1752 den offiziellen Bescheid, unter eigenem Risiko, welches immer bestand, diese Manufaktur zu gründen. Die erste Pekingtapete konnte bereits 1757 produziert und nach Breslau, einem sehr wichtigen Umschlagsplatz der damaligen Zeit verkauft werden. Seine Bitten, 5000 Reichstaler und das Schloss Glienicke als Produktionsstädte zu erhalten, wurden durch seinen Förderer und Fürsprecher, den General der Infanterie Friedrich Bogislaw von Tauenzien beim König durchgesetzt. Dieses seltene Privileg, als Jude Fördermittel zu erhalten, zeugt schon davon, dass Isaac Joel damals ein hohes Ansehen auch in den höher privilegierten Häusern genoss. Die einzige Bedingung, die er im Gegenzug für den Erhalt von Schloss Glienicke erfüllen musste, war die Anpflanzung von 100 Maulbeerbäumen, deren Import sehr kostspielig war. Für den Import von Leinen wurde ihm Akzisefreiheit sowie kostenloser Transport gewährt, was sonst auch nur ein Vorzug für Hugenotten war.

Für die Schlösser Potsdams lieferte er 169 Tapeten und besonderes auffällig ist die Verzierung des Fürstenzimmers im Neuen Palais durch seinen Pequim (damals moderne Tapete im Pekinger Stil). Bemerkenswert ist auch, dass in seinen Werkstätten Handwerker mit seltenen Ausbildungen arbeiten. Im Jahre 1788 beschäftigte er bereits 5 Meister und 30 Gesellen. Doch hatte er während seiner Arbeit immer wieder mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. So waren etwa die Arbeitskräfte rar, er musste ständig sich gegen lästige Konkurrenz wehren, es gab viele Neider und zuletzt machte ihm auch oft die Leinenknappheit im Land stark zu schaffen.

Trotzdem war es ihm möglich, auch teure Materialien, wie schlesischen Batist (sehr feiner Baumwollstoff) und Bleiweiß (Anstrichfarbe) zu verwenden. Sterbegewänder, die vorher teuer aus Chemnitz importiert werden mussten, stellte er nun zur wirtschaftlichen Erleichterung preisgünstiger her. Die Sorge um seine Familie lässt ihn in einem Brief vom 25. Oktober 1780 an den König die Bitte darlegen, als Belohnung für seinen Fleiß die Konzession (Erlaubnis) für Tapeten- und Broderie- Niederlassungen sowie kostenfreie Trauscheine für seine drei Söhne und seine zwei Töchter zu erhalten. Das zeugt davon, wie unabgesichert das Leben selbst für den Staat fördernde Juden war. Letztendlich erhielt er die Konzession für seine Niederlassungen, denn er tat vieles zum Wohle Potsdams, wie beispielsweise den Bau eines massiven 3-stöckigen Eckhauses am Alten Markt. 1814 starb er und wurde unter dem jüdischen Namen Joel Sohn des Izek beerdigt. Seine Söhne Wolf und Isaac Joel führten die Manufaktur weiter und erwirtschafteten später innerhalb eines Jahres Summen von ca. 13.645 RT. Die Joelschen Manufakturen gehören auf jeden Fall zu den Unternehmen, die der Stadt Potsdam zu Gute kamen und ihren wirtschaftlichen Aufschwung förderten.

 

3. Während der Zeit der Nationalsozialisten

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 traf alle Potsdamer hart und unvorbereitet, doch den jüdischen Teil der Bevölkerung traf es doppelt so schwer. Niemand konnte sich vorstellen, wie plötzlich antijüdische Gesetze verabschiedet worden waren, denn ein Großteil der Potsdamer war eben noch mit Auszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg versehen worden. Der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Levy wurde im März 1933 verhaftet und war einer der ersten Häftlinge des neu eingerichteten Konzentrationslagers Oranienburg. Schon einen Monat später wurde durch die Lokalpresse gemeldet, dass Gerichtstermine ausfallen müssten, da die jüdischen Rechtsanwälte in der Ausübung ihrer Tätigkeiten beschränkt wurden. Nur wenig später folgte auch ein Boykott jüdischer Geschäfte in Potsdam, der von der Lokalpresse aber als erfolgreich und „ruhig" beurteilt wurde. Teilweise wurde das Betreten jüdischer Geschäfte total verhindert, wie zum Beispiel durch die Bildung von Postenkette. Weiterhin wurde das Haus des Jüdischen Mädchenheims e.V. zur Reichsführerschule der
Hitlerjugend umfunktioniert.

Durch ihr schwindendes Ansehen in der Bevölkerung rückten die Potsdamer Juden immer näher zusammen. So gründete der Rechtsanwalt Dr. Herbert Marcuse im März 1942 die Ortsgruppe: „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" (R.J.F.), deren 30 Mitglieder sich in der Gaststätte „Alter Fritz" in der Zimmerstraße versammelten. Andere Vereinigungen waren Ortsgruppen wie der „Bund deutsch-jüdischer Jugend“ von Paul Schreiber, dem Sohn eines Rabbiners oder eine Wandergruppe der schulpflichtigen Jugend unter der Leitung des Kaufmanns Heinz Krausnick, der schon 1933 vorübergehend in "Schutzhaft" saß. Diese Aktivitäten waren offiziell und erregten deshalb schnell den Argwohn der Staatspolizeistelle Potsdam, die das Versammlungsverbot mit der Empörung der "nationalsozialistischen Bevölkerung" über den "ungestörten Zusammenschluss der Juden zu einer arteigenen Interessengemeinschaft begründete. Im Mai 1934 wurden die Fenster des jüdischen Landschulheims in Caputh mit Steinen zertrümmert. Ohne Folge wurde gegen das Landschulheim durch die Gestapo ermittelt, denn die Täter blieben offiziell „unbekannt".

Am 11. Juli 1934 wurde die Ebräerstraße umbenannt in die Kupferschmiedgasse, um die Erinnerung an das alte, in diesem Bereich befindliche Bethaus der Potsdamer Juden aus dem 18. Jahrhundert zu löschen. Nachdem die „Nürnberger Gesetze", das „Reichsbürgergesetz" und das „Blutschutzgesetz" erlassen wurden, mit denen den Juden die staatsbürgerlichen Rechte aberkannt wurden, erschien im September 1936 die erste Liste mit insgesamt 61 Geschäften und Handwerksbetrieben, zwölf Ärzten, drei Dentisten und drei Rechtsanwälten „nichtarischer“ Herkunft Potsdams und des benachbarten Nowawes (ab 1939 der heutige Ortsteil Babelsberg). Zur weltfremden Aufrüstung der „Volksgenossen" wurde die Ausstellung "Rasse und Volk“ durch den „Nationalsozialistische Lehrerbund" in der ehemaligen Loge „Teutonia" in der Kurfürstenstraße arrangiert.

Die so genannte „Entjudung“ der deutschen Wirtschaft wurde im April 1938 mit der Verordnung über die Anmeldung alles jüdischen Vermögens über 5.000 Reichsmark eingeleitet. Hinzu kam, dass jeder Jude ein detailliertes Verzeichnis über sein Vermögen am 27. April 1938 ausfüllen musste.

Am 24. Mai 1938 starb der Vorsitzende der Synagogengemeinde Julius Zielenziger mit 82 Jahren. Sein Grab befindet sich heute auf dem Jüdischen Friedhof. Seine Arbeit wurde von James Gersmann (der auch Vorsteher der Chewra Kadischa war) und Max Hammerstein weitergeführt. Die Nachwahl eines dritten Vorstandsmitglieds fand wahrscheinlich nicht mehr statt.

Auch für das Potsdamer Gotteshaus war es wie für alle anderen Synagogen in Deutschland mit der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zu Ende (wie erwähnt).

Nachdem ein Jude einen NS -Diplomaten in Paris erschossen hatte, wurde der lang geplante „Volkszorn“ in Gang gesetzt, wobei die NSDAP unter allen Umständen nicht als Organisator erkannt werden wollte. SS-Gruppen-Führer Heydrich gab mit einem Blitz-Fernschreiben am 10. November in der Nacht der Gestapo im Deutschen Reich die benötigen Handlungsanweisungen: „(...) sind in allen Bezirken so viele Juden -insbesondere wohlhabende- festzunehmen, als in den vorhandenen Hafträumen untergebracht werden können.( ... ) Nach Durchführung der Festnahme ist unverzüglich mit den zuständigen Konzentrationslagern wegen schnellster Unterbringung der Juden Verbindung aufzunehmen!'“. Außerdem sollte alles Aktenmaterial, was sich in den Synagogen befand, sichergestellt werden. In der Vollzugsmeldung, die SS -Oberführer Stolle am Vormittag des 10. November handschriftlich zu Papier brachte, befanden sich unter anderem Informationen, dass die Synagoge von Potsdam restlos auf den Leisten geschlagen und die Friedhofskapelle am Pfingstberg ausgebrannt worden wäre. Dem SS-Kommando wurde befohlen: "Anzug Räuberzivil. Plünderungen verboten". Die Zerstörungen und Plünderungen jüdischer Geschäfte in der Brandenburger, Nauener, Berliner und Kaiserstraße und am Alten Markt war jedoch offensichtlich dem freien Willen der SA überlassen worden. Die männlichen Juden wurden von der Gestapo „zu ihrem eigenen Schutz" erst in das Polizeigefängnis und dann in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Einen Tag später wurde das jüdische Landschulheim in Caputh überfallen und völlig demoliert. Während die Gründerin des Heims Gertrud Feiertag später in den Osten deportiert wurde, konnten die Kinder noch rechtzeitig evakuiert werden.

Am 3. Dezember 1938 wurde dann die Verordnung über den Zwangsverkauf jüdischer Geschäfte, Betriebe und Grundstücke ins Leben gerufen, worauf die Vorstandsmitglieder sowie 15 Gemeindemitglieder der Synagogengemeinde ein halbes Jahr später vor dem Notar einem Verkauf der Gemeindegrundstücke Wilhelmplatz 1 (Synagoge) und 2 (Gemeindehaus) an die Deutsche Reichspost zustimmen mussten.

Nach der Bevölkerungsstatistik lebten im Jahre 1939 in Potsdam nur noch 175 „Glaubensjuden". Diese 98 Frauen und 77 Männer hatten ab dem 1. Januar 1939 die Zwangsvornamen "Israel" oder "Sara" zu tragen. Vielen, insbesondere den Jüngeren, war noch die Auswanderung gelungen. Auch der Rabbiner Dr. Schreiber konnte mit seiner Familie noch rechtzeitig nach England ausreisen.

Am 15. Februar 1940 fand die letzte Wahl in der Gemeinde statt, als der ehemalige Bankier Wilhelm Kann aus der Nauener Straße 32 (Friedrich-Ebert-Straße 113) als drittes Vorstandsmitglied gewählt wird. Am 30. April 1940 wird die Synagogengemeinde zum „eingetragenen Verein" degradiert und verliert ihre öffentlichen Rechte. Jetzt können sich die letzten Gemeindemitglieder, die ab dem 15. September 1941 den Judenstern tragen müssen nur noch im Hause ihres Vorstehers James Gersmann in der Waisenstraße (Dortustraße) 57 versammeln.

Am 11. Januar 1942, bei Winterkälte wurden etwa 40 jüdische Männer, Frauen und Kinder auf Lastkraftwagen zur Sammelstelle für die Deportation nach Berlin gebracht. Dort trafen sie schließlich mit 1.200 Berliner Juden zusammen und wurden nach drei Tagen in das verwüstete Ghetto von Riga gebracht, dessen gesamte Bevölkerung zwei Monate zuvor erschossen worden war. Der Vorsitzende der Gemeinde, James Gersmann stirbt im Alter von 73 Jahren im St. Josephs- Krankenhaus nur einen Tag später, als sein Bruder Arthur mit Frau schon auf dem Weg in die Deportation ist.

Im Landeshauptarchiv liegen heute die Überreste einer Liste vom 6. Oktober 1942 mit den noch zu diesem Zeitpunkt in Potsdam wohnenden Juden. Diese wohnten alle im jüdischen Altersheim in der Bergstraße 1 (heute: Spitzweggasse) in Potsdam‑Babelsberg, bis auf das letzte Vorstandsmitglied Wilhelm Kann. In den Akten lässt sich aber der Hinweis auf die "polizeiliche Abmeldung" des zweiundsechzigjährigen Wilhelm Kann vom 18. Juni 1943 als „Auswanderer" finden: Wilhelm Kann starb in Theresienstadt. Das Bankgeschäft der Familie Kann hatte seit 1842 in Potsdam existiert.

Am 6. April 1949 verkündete das Potsdamer Amtsgericht den Beschluss, den Verein von Amts wegen aufzulösen, nachdem die Post an die letzten beiden Vorstandsmitglieder James Gersmann und Wilhelm Kann als unzustellbar zurückgekommen war. Somit hörte die Synagogengemeinde Potsdam in ihrer letzten juristischen Form als eingetragene Vereinigung formal auf zu bestehen.

 

4. Jüdisches Leben beginnt wieder zu keimen

Für die wenigen in Potsdam und Umgebung sich zum Judentum bekennenden Juden war eine Gemeindegründung nach dem 2. Weltkrieg nicht möglich.

Theodor Goldstein wirkte aktiv dabei mit, die jüdische Tradition in Potsdam zu vertreten und war ständig darum besorgt, dass die letzten Spuren jüdischen Lebens nicht in Vergessenheit geraten würden. Vor allem ihm ist es ganz besonders zu verdanken, dass nach langen Kämpfen mit den örtlichen Behörden am 9. November 1979 eine Gedenktafel für die Synagoge an dem Wohnhaus, wo vorher die Synagoge gestanden hatte, angebracht werden konnte. Gleichfalls lag ihm besonders die Pflege des jüdischen Friedhofs sehr am Herzen. Durch die erneute Gründung der Jüdischen Gemeinde Land Brandenburg am 21. März 1991 tat sich ein Hoffnungsschimmer für den Neubeginn eines jüdischen Lebens in Potsdam und dem Land Brandenburg auf. Zur Gemeinde gehörten damals mehr als 40 Mitglieder, meist Auswanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Ihr Vorsitzender war zu diesem Zeitpunkt der Arzt Dr. Alexander Kogan. Für die Gemeinde wirkten außerdem der Rabbiner Naphthali Grienberg und der Religionslehrer Menachem Bar Kohain.

 

 5.Jüdischer Friedhof in Potsdam

 1743 wurde am Südhang des Eichberges, welcher danach Judenberg genannt wurde und heute bekannt als Pfingstberg ist, der jüdische Friedhof Potsdams angelegt. Dieses Stückchen Land war ein Geschenk Friedrich II., denn zuvor wurden die Verstorbenen auf einem Begräbnisplatz in Berlin beigesetzt.


Der Friedhof ermöglicht einen Blick auf verschiedene Entwicklungsstadien jüdischen Lebens in der Residenz-, Bezirks- und Landeshauptstadt. Deutlich erkennbar ist die Anpassung traditioneller jüdischer Bestattungskultur an den Zeitgeschmack der christlich geprägten Bevölkerungsmehrheit. Optisch nicht zu übersehen sind die Folgen des Ringens um bürgerliche Gleichstellung, der Assimilation und Reformbewegung. Vom schlichten, einfachen Sandstein des 18. Jahrhunderts über die dominanten Granitobelisken bis zu Wandgrabstätten einflussreicher Familien des 20. Jahrhunderts bietet der Potsdamer Friedhof eine großartige Facettenbandbreite. Neben Kindergräbern, Soldaten, Offizieren, Stadt-, Justiz- und Manufakturunternehmern sind ebenfalls Rabbiner und Kantoren, Bankiers sowie Vertreter des Mittelstandes vorzufinden.

1801 wurde eine einfache Leichenhalle errichtet, die aber 1856 einem Ersatzbau weichen musste. Nachdem der Friedhof vergrößert wurde, entstanden 1910 die heutige Trauerhalle und auch das kleine Wohnhaus des Friedhofsgärtners. Die Gebäude verwahrlosten in den folgenden Jahrzehnten stark, nachdem sie in der Pogromnacht schwer beschädigt worden waren. Die Trauerhalle diente als Lager für Parkbänke, Kohlen, Holz und Särge sowie als privater Keller und Garage. In den 80er Jahren drohte dem maroden Gebäude sogar der Abriss, doch plötzlich erfolgten die schon längst überfälligen, staatlicherseits gewünschten Aufräum -und Reparaturarbeiten. Wildwuchs wurde gerodet und das mehrjährige Sanierungsprogramm begann 1990. Spezialisten und Denkmalpfleger konnten aufgrund ihrer präzisen Arbeit den heruntergekommenen Friedhof wieder herstellen. Beispielsweise wurde die alte Friedhofsmauer ersetzt, Gräber wurden gezählt und die offizielle Einweihung fand am 30. Juni 1995 statt. Damit hat die Landeshauptstadt Potsdam den einzigen voll funktionstüchtigen jüdischen Friedhof für das Land Brandenburg. Die Grabstätte war schon oft Ziel rechtsradikaler Anschläge. Unter anderem fanden im Jahr 2000 zwei Straftaten statt. Anfang Januar 2001 wurde ein Brandanschlag auf die Friedhofshalle durchgeführt, wozu sich die „Nationale Bewegung“ bekannte.

 

6.Das jüdische Gotteshaus Potsdams

Insgesamt wurden in Potsdam bisher drei 5 Synagogen gebaut. Das erste jüdische Gotteshaus existierte in der Kupferschmiedgasse 4, das zweite in der Hoditzstraße 18.

Die dritte und eigentlich auch letzte Synagoge, die bis jetzt in unserer Heimatstadt erbaut wurde, befand sich am ehemaligen Wilhelmplatz, dem heutigen Platz der Einheit 1. Sie wurde hier errichtet, da sie hier viel zentraler und vor allem besser sichtbar war, statt hinter Häusern versteckt zu sein. Es gab insgesamt drei Versuche, hier ein jüdisches Gotteshaus zu errichten, doch aufgrund schlechter Fundierung mussten die ersten zwei Bauunternehmungen wieder abgerissen werden

Die dritte und letzte Synagoge unserer Heimatstadt wurde 1903 erbaut und am 17. Juni dieses Jahres eingeweiht. Es war ein Gebäude mit roter Sandsteinfassade.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde sie von den Nazis geplündert und verwüstet, jedoch nicht angezündet – aus Rücksicht auf die benachbarte Reichspost. Die „Potsdamer Tageszeitung“ berichtete damals: „Die Bevölkerung drang auch gewaltsam in die Synagoge am Wilhelmplatz ein und zertrümmerte die Einrichtung sowie die Fensterscheiben“.

Gleichzeitig wusste die Reichspost auch etwas mit ihrem Anlieger anzufangen. Im Juni 1939 wurde das Gotteshaus mit dem angrenzenden Gemeindehaus zwangsweise für 67.000 Reichsmark an die Deutsche Reichspost verkauft. Zugleich wurde hier ein Hörsaal eingerichtet.

1945 wurde das Gebäude dann in einer Bombennacht des 2. Weltkrieges endgültig zerstört und das Amtsgericht Potsdam hat darauf 1949 beschlossen, die Bezeichnung „Synagogengemeinde zu Potsdam e.V.“ zu löschen (s. o.).

6 Jahre später wurden die Überreste der ehemaligen Synagoge abgerissen und der Platz wich dem Wohnhaus, an dem im Jahre 1979 die Gedenktafel angebracht wurde.

Nach der Wende 1990 wurde an der Stelle der zerstörten Synagoge von Schülern ein Gedenkstein errichtet.

Zurzeit ist der Neubau einer Synagoge im Gespräch. Am 16. November 2006 gab es auch bereits die Spendengala „Potsdam baut eine Synagoge“ im Nikolaisaal mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, Horst-Dieter Weyrauch (Vorstand des Bauvereins Neue Synagoge) sowie anderen Prominenten, doch bisher ist noch immer nicht endgültig über einen Bau beschlossen worden.

 

7. Die jüdische Gemeinde heute

1991 konnte nach dem 2. Weltkrieg in Potsdam auf Grund der Zuwanderung einiger Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion wieder eine jüdische Gemeinde gegründet werden.

In Potsdam gibt es jetzt 2 jüdische Gemeinden. Die eine ist Teil des Zentralrates der Juden Deutschlands mit etwa 350 Mitgliedern und wird von einem Rabbiner der Bewegung Chabad Lubawitsch betreut. Die zweite Gemeinde nennt sich „Gemeinde gesetzestreuer Juden“ und ist von dem Zentralrat der Juden völlig unabhängig.

Der Vorsitzende der ersten jüdischen Gemeinde heißt Mikhail Chvartz. Er leitet auch alle anderen jüdischen Gemeinden Brandenburgs. Diese befinden sich weiterhin in Königs Wusterhausen, Oranienburg, Frankfurt, Brandenburg an der Havel, Cottbus und Bernau und haben insgesamt 800 Mitglieder, wobei die Zahl aller in Brandenburg lebenden Juden auf einige Tausend geschätzt wird, da nicht alle Gemeindemitglieder sind.

Chvartz kam erst 1999 nach Deutschland, um in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Er brachte es in Moskau zum Professor für Erdöltechnik und wirkte entscheidend bei dem Bau der Drushba- Trasse mit. Der heute 76jährige sitzt seit Anfang März 2003 in der Schlossstraße in relativ schlecht ausgestatteten Zimmern direkt über dem Amtsgericht. Zu seinen Gläubigen gehören fast nur russisch stämmige Juden, so wie er selbst, bis auf 2 Ausnahmen. Diesen gibt er zweimal in der Woche Sprechstunden und für die Zukunft plant er, auch freitags und samstags zum Sabbat Gottesdienste anbieten zu können. Sein Vertreter ist Rabbiner Presmann, der gelegentlich als Aushilfe vorbeikommt.

Die jüdische Gemeinde Potsdams steckt zudem in finanziellen Nöten. Dadurch, dass inzwischen abgesetzte Vorstandsmitglieder 2003 einen Schuldenbetrag von ca. 1 Millionen Euro hinterlassen haben und die Regierung ihren Zuschuss von jährlich 150.000 € auch nicht mehr zahlt, sieht es auch in Zukunft nicht positiv für den Bau einer Synagoge aus.

Doch in einem Punkt unterscheidet sich die jüdische Gemeinde Potsdams von dem Rest Deutschlands – es ist ein offenes Haus und bisher gab es dort auch noch keine antisemitischen Übergriffe.

Jüdisches Museum in Potsdam geplant
Über die Geschichte der Juden in Brandenburg und auch vor allem Potsdam ist vielen Menschen nicht so viel bekannt, wie z. B. über die Geschichte der Christen. Vielleicht weiß man im Allgemeinen über die jüdische Religion Bescheid, was das für ein Glaube ist oder über den Antisemitismus in der Nazi- Zeit. Aber darüber hinaus …? Wegen genau dieser Wissenslücken kam jüdischen Zuwanderern die Idee, ein Museum aufzubauen, in dem über die Vergangenheit und die Gegenwart jüdischen Lebens umfassend informiert werden soll.

Noch in diesem Jahr soll in Potsdam das Museum eröffnet werden, welches vor allem auch die Spuren jüdischen Lebens in unserer Region sichern und zur Aufklärung von Touristen, erwachsenen Einwohnern, aber vor allem auch Schülern dienen soll.

Seit über einem Jahr wird alles für das „Museum der modernen Geschichte der Juden in Potsdam und im Land Brandenburg“ in der Berliner Straße organisiert und vorläufig existiert es nur provisorisch in einem Raum, in dem die Historie der Juden vom Anfang bis zur Zeit nach den Kriegen auf zweisprachigen illustrierten Informationstafeln dargestellt wird. Tafeln über die Geschichte danach sind noch in Vorbereitung.

Besonders aktiv beteiligt an dem Aufbau ist zum Beispiel Nikolai Epchteine, der auch gleichzeitig Leiter des Kultur-, Integrations- und Begegnungszentrums ist und durch seine Position auch günstige Kontakte für das Entstehen eines solchen Museums knüpfen konnte

 

8. Quellen

Literatur

  • Arlt, Klaus. Aufbau und Niedergang jüdischer Gemeinden in der Mark Brandenburg im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Menora, 1993
  • Bergemann, Hans und Ladwig- Winters, Simone. Für ihn brach die Welt, wie er sie kannte zusammen.... Dr. Otto Schmidt, Köln 2003
  • Blau, Bruno. Das Ausnahmerecht für die Juden in Deutschland. Düsseldorf 1954, 2. Auflage
  • Burmann, Dieter. Der Taschenbrockhaus – Weltgeschichte. Brockhaus, 1999 Leipzig- Mannheim
  • Diekmann, Irene und Schoeps Julius H.. Wegweiser durch das jüdische Brandeburg. Edition Hentrich, 1995, 1. Auflage
  • Eichholtz, Dietrich. Brandenburg in der NS- Zeit. Brandebburgische Landeszentrale für politische Bildung, Berlin 1993
  • Feidel-Mertz, Hildegard und Paetz, Andreas. Ein verlorenes Paradies. DPA, Frankfurt am Main 1994, 1. Auflage
  • Feldmarschall Montgomery. Kriegsgeschichte. Komet, London 1968
  • Genschel, Helmut. Die Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft im Dritten Reich. Göttingen 1966
  • Giersberg, Hans-Joachim. Städte in Deutschland – Potsdam. Nicolai, Potsdam 1990, 3. Auflage
  • Hahn, Peter Michael u. a.. Potsdam – Märkische Kleinstadt Europäische Residenz. Akademie Verlag, Berlin 1995
  • Herzfeld, Erika. Juden in Brandenburg- Preußen im 17. und 18. Jahrhundert. Hentrich & Hentrich, 2001, 1. Auflage
  • Kaelter, Robert. Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Potsdam, Edition Hentrich, Berlin 1993
  • Knopp, Guido. Holokaust. C. Bertelsmann, München 2000, 1. Auflage
  • Paetz, Andrea und Weiss, Karin. Haschara – Die Vorbereitung junger Juden auf die Auswanderung nach Palästina. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1999, 1. Auflage
  • Schneidewind, Bernhard u. a.. Potsdam und Umgebung. Ullstein, Berlin 1991
  • Schoeps, Julius H. und Grözinger, Karl E.. Tradition, Emanzipation und Verantwortung/ Moses Mendelssohn. Philo, 2006
  • Spiegel Spezial - Preußen statt Potsdam. Spiegel Verlag, Nr. 2 1993
  • Stanisavljevic, Andre und Zwengel Ralf. Religion und Gewalt. Mostar Friedensprojekt e. V., Potsdam 2002, 1. Auflage
  • Sternburg, Wilhelm von. Kurze Geschichte des Nationalsozialismus. Cornelsen Scriptor, Berlin 2003, 1. Auflage
  • Strauch, Dietmar. Einstein in Caputh – Die Geschichte eines Sommerhauses. PHILO, Berlin 2001
  • Strauß, Bruno. Moses Mendelssohn in Potsdam. Edition Hentrich, Berlin 1994, 1. Auflage
  • Strenge, Barbara. Juden im Preußischen Justizdienst 1812-1918. München 1996
  • U. a. Diekmann, Irene und Kaden, Michael. Jüdisches Leben in Brandeburg. Berlin 1994
  • Weißleder, Wolfgang. Der gute Ort. Verin zur Förderung Antimilitaristische Traditionen in der Stadt Potsdam E. V, Potsdam 2002
  • Wolff, Katharina. Zeugnisse jüdischer Kultur. Tourist Verlag GmBH, Berlin 1992

Internet

  • www. Judentum-projekt.de/printable/religion/synagoge/index.html
Fachliteratur zum Thema
  • Arlt, Klaus. Aufbau und Niedergang jüdischer Gemeinden in der Mark Brandenburg im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Menora, 1993
  • Bergemann, Hans und Ladwig- Winters, Simone. Für ihn brach die Welt, wie er sie kannte zusammen.... Dr. Otto Schmidt, Köln 2003
  • Blau, Bruno. Das Ausnahmerecht für die Juden in Deutschland. Düsseldorf 1954, 2. Auflage
  • Diekmann, Irene und Schoeps Julius H.. Wegweiser durch das jüdische Brandenburg. Edition Hentrich, 1995, 1. Auflage
  • Eichholtz, Dietrich. Brandenburg in der NS- Zeit. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Berlin 1993
  • Feidel-Mertz, Hildegard und Paetz, Andreas. Ein verlorenes Paradies. DPA, Frankfurt am Main 1994, 1. Auflage
  • Genschel, Helmut. Die Verdrängung der Juden aus der Wirtschaft im Dritten Reich. Göttingen 1966
  • Giersberg, Hans-Joachim. Städte in Deutschland – Potsdam. Nicolai, Potsdam 1990, 3. Auflage
  • Hahn, Peter Michael u. a.. Potsdam – Märkische Kleinstadt Europäische Residenz. Akademie Verlag, Berlin 1995
  • Herzfeld, Erika. Juden in Brandenburg- Preußen im 17. und 18. Jahrhundert. Hentrich & Hentrich, 2001, 1. Auflage
  • Kaelter, Robert. Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Potsdam, Edition Hentrich, Berlin 1993
  • Paetz, Andrea und Weiss, Karin. Haschara – Die Vorbereitung junger Juden auf die Auswanderung nach Palästina. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 1999, 1. Auflage
  • Schneidewind, Bernhard u. a.. Potsdam und Umgebung. Ullstein, Berlin 1991
  • Schoeps, Julius H. und Grözinger, Karl E.. Tradition, Emanzipation und Verantwortung/ Moses Mendelssohn. Philo, 2006
  • Spiegel Spezial - Preußen statt Potsdam. Spiegel Verlag, Nr. 2 1993
  • Strauch, Dietmar. Einstein in Caputh – Die Geschichte eines Sommerhauses. PHILO, Berlin 2001
  • Strauß, Bruno. Moses Mendelssohn in Potsdam. Edition Hentrich, Berlin 1994, 1. Auflage
  • Strenge, Barbara. Juden im Preußischen Justizdienst 1812-1918. München 1996
  • U. a. Diekmann, Irene und Kaden, Michael. Jüdisches Leben in Brandeburg. Berlin 1994
  • Weißleder, Wolfgang. Der gute Ort. Verin zur Förderung Antimilitaristische Traditionen in der Stadt Potsdam E. V, Potsdam 2002
  • Wolff, Katharina. Zeugnisse jüdischer Kultur. Tourist Verlag GmBH, Berlin 1992
9. Anhang

Chronologie der Synagogengemeinde Potsdam am Wilhelmsplatz nach 1903

1904 2. November: Rabbi Dr. Tobias Cohn stirbt nach 40 Jahren Wirken in Potsdam und wird auf dem Jüdischen Friedhof am Pfingstberg beigesetzt

1915 Prof. Otto Becker übernimmt die Organisation der Synagoge bis 1933

1920 „Potsdamer Fahnenskandal“ bei der Grundsteinlegung des Kriegerdenkmales in Tremmen wird die Staatsfahne Schwarz-Rot-Gold angefeindet. „Nieder mit der Judenfahne“. Der evangelische Pfarrer Dietz weigert sich zu reden, solange die Fahne am Mast hängt. Nach Handgreiflichkeiten wird die Fahne auf dem Feld vergraben. Pfarrer Dietz redet daraufhin über „Frontenerdolchung“ und „Judenregierung“

1921 Gründung der Ortsgruppe Potsdam „ Jüdisch- liberaler Judenverein“(ILI) 28. Mai: Gründung der Schülergruppe des ILI

1926 1. Februar: der Israelitische Frauenverein Potsdam feiert sein 75-jähriges Bestehen

1928 Juni: 25-jähriges Jubiläum der Synagoge

1929 Einrichtung des Jüdischen Mädchenheims e.V. in Potsdam, Neue Königsstraße 66 (heute Berliner Straße 90)

1932 Gründung eines Kinderheims für Kinder geschiedener oder emigrierter jüdischer Eltern in Caputh durch Synagogenmithilfe

  • 21. März: der so genannte „Tag von Potsdam“ ; Albert Einsteins Haus in Caputh wird vergeblich nach einem Waffenlager durchsucht
  • Dr. Ludwig Levy, ein Potsdamer Rechtsanwalt, wird als erster Häftling in das Konzentrationslager in Oranienburg verbracht
  • das Haus der Jüdischen Mädchenheims in der neuen Königsstraße 66 zur Reichsführerschule der Hitler-Jugend umfunktioniert
  • Vorsitzender der Synagogengemeinde, Rechtsanwalt und ehemaliger Stadtverordneter Raphael Josephsohn stirbt und wird auf dem jüdischen Friedhof in der Nähe des Pfingstberges beigesetzt
  • Mai: Landschulheim Caputh wird überfallen, die Gestapo ermittelt "ergebnislos"
  • September: im Polizeipräsidium Potsdams erscheint die Liste der „nichtarischen“ 61 Geschäfte, 12 Ärzte, 3 Dentisten und 3 Rechtsanwälte Potsdams
  • das Polizeipräsidium Potsdam beanstandet, dass im Fernsprechverkehr noch zu häufig jüdische Namen (Nathan, David...) gebraucht werden - die neue Buchstabiertafel ist Pflicht
  • 9 -10. November: Pogromnacht: Zerstörung der Synagogeneinrichtung, die Friedhofskapelle wird beschädigt, es kommt zu Verhaftungen und Deportationen.
  • 11. November: Überfall auf Jüdisches Landschulheim in Caputh: die Kinder werden evakuiert. Gertrud Feiertag, die Heimgründerin wird später nach Osten deportiert
  • 3. Dezember: Die „Entjudung der deutschen Wirtschaft“ in Potsdam beginnt
  • nach Bevölkerungsstatistik leben in Potsdam noch 175 Glaubensjuden, 1925 lebten in Potsdam noch 407
  • 30. Mai: die Gemeindegrundstücke Wilhelmplatz 1 (Synagoge) und Wilhelmplatz 2 (Gemeindehaus) werden für 67.000 RM an die Deutsche Reichspost abgetreten
  • 30. April: in Potsdam gibt es nur im Hause des Vorstehers der jüdischen Gemeinde James Gersmann, in der Waisenstraße 57 (Dortustraße) die Möglichkeit, sich in Potsdam zu versammeln
  • Rabbi Dr. Herrmann Schreiber geht mit seiner Familie nach 21-jähriger Tätigkeit für die Gemeinde Potsdams ins Ausland

1941 Techniker Gerhard Schiller aus Babelsberg wird wegen Verheimlichen des Judentums und Nichttragen des Judensterns zu 3 Monaten Gefängnis und 6 Wochen Haft verurteilt, danach wurde er der Gestapo „rücküberstellt“

1942 - 11. Januar: 40 Juden werden in das Ghetto von Riga deportiert, deren Bewohner zuvor erschossen wurden, die einzige überlebende Potsdamer Jüdin ist Johanna Rosenthal, die später als Zeitzeugin dient

 

 

  • 14. April: Die Synagoge und das benachbarte Gemeindehaus werden bei einem Bombenangriff zerstört; die Ruinen werden 1945 abgerissen
  • 6. Oktober: eine Liste der in Potsdam lebenden Juden wird erstellt

1949 6. April: Das Potsdamer Amtsgericht beschließt: „Löschung des Vereins wird vom Amts wegen angeordnet“. Somit hatte die Synagogegemeinschaft Potsdams in ihrer letzten juristischer Form als eingetragene Vereinigung aufgehört zu bestehen

1991 21.März: Gründung der Jüdischen Gemeinde Land Brandenburg e.V.

1992 30.August: Erster Gottesdienst der jüdischen Gemeinde Land Brandenburg in Potsdam; sie hat 40 Mitglieder, meist jüdische Auswanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, und den Vorsitzenden Dr. Alexander Korgan sowie Rabbi Naphthali Grienberg.