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    1. Die Einwanderung in die Mark Brandenburg
2. Golm heute
3. Quellen

1. Die Einwanderung in die Mark Brandenburg

I. Der Beginn
Seit dem Beginn seiner Ansiedelungsbestrebung war Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg derAuffassung, dass sich große Erfolge einstellen würden, wenn die Neuansiedler eine eigene kirchliche und bürgerliche Gemeinschaft bilden können. Außerdem sollten sie frei wirtschaftlich Handel betreiben dürfen. Diese Gedanken waren für die damalige Zeit sehr neu.

II. Gründe für die Ansiedelung
Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Jahre 1640 versuchte er sein Land wieder aufzubauen. Die Bevölkerung war auf Grund des Dreißigjährigen Krieges, der Pest, Mord und Hunger um die Hälfte dezimiert. Viele Dörfer waren zerstört und verwüstet, Ländereien waren verödet und in der Wirtschaft waren Handel und Gewerbe fast vollständig zum Erliegen gebracht. Die Peuplierungspolitik hatte das Ziel, Preußen wieder zu bevölkern und die wirtschaftliche Leistungskraft aufzubauen. Die Schweizer waren daher mit ihren Kenntnissen in Viehzucht und Landwirtschaft sehr gefragt.

III. Die Privilegien
1684 verfasste der Kurfürst von Brandenburg ein Schreiben, in dem er um die Umsiedlung von etwa zehn bis zwanzig Schweizer Familien mit Erfahrung in der Viehzucht bat. Dieser Brief ging an den Rat des Kantons Bern. Daraufhin wurde unter Leitung des Berner Arztes Albrecht Bauernkönig eine Art Vorkommando geschickt. Es sollte sich ein Bild von den Verhältnissen vor Ort machen. Danach wurde ein Vertrag aufgesetzt, in dem unter anderem die folgenden Privilegien ausgehandelt wurden:
- Die Schweizer sollten von allen Lasten befreit sein
- Jeder konnte nach Belieben in seine Heimat zurückkehren
- Niemand durfte der Leibeigenschaft unterworfen werden
- Der Schweizer Prediger bekam pro Jahr 200 Taler, aber der Schweizer Schulmeister bekam nur 20 Taler

IV. Der Weg
Die schwere Reise wurde dann am 1. Mai 1685 von rund 100 Personen angetreten. Vom Berner Oberland aus ging es los. Das gesamte Hab und Gut wurde zunächst auf Wagen und dann auf dem Schiff transportiert. Es ging den Rhein abwärts, über Holland und Hamburg dann über die Elbe und die Havel aufwärts. Insgesamt hatte die Reise 7 Wochen gedauert, als die Neusiedler dann am 18. Juni 1685 im „Schweizer-Bruch“, eine Meile von Potsdam entfernt, ankamen. Die Bootsanlegestelle ist noch heute zu besichtigen.

V. Das Leben der Schweizer in Golm
Hier wurden 17 Familien mit zum Teil heiratsfähigen Söhnen und Töchtern sowie ein lediger Landwirt angesiedelt, der sich bald wie die anderen verheiratete. Im Laufe der Jahre kamen noch weitere Schweizer hinzu, einige haben auch die Rückreise angetreten. Am 28. Juni 1685 wurde zehn Tage nach der Gründung des „Schweizer-Bruch“ ein Junge geboren, der vom Kurfürsten persönlich aus der Taufe gehoben wurde. Ihm zu Ehren wurde er Friedrich Wilhelm benannt. Der Kleine verstarb jedoch bald.

VI. Das Ende vom „Schweizer-Bruch“
Bald nach dem Tode des Großen Kurfürsten 1688 stellte sich heraus, dass der Standort der Schweizer Gemeinde nicht gut gewählt worden war. Die menschlichen, materiellen und auch finanziellen Vorbedingungen reichten nicht aus, um das Luch in beweidbare Wiesen und fruchtbaren Acker zu verwandeln.Die Kurfürstenwitwe Dorothea erfuhr davon, dass die Schweizer im Bruch vom Hochwasser bedroht wurden. Sie kam selbst, um sich einen Eindruck vom Ausmaß der Situation zu verschaffen und war sichtlich geschockt. Trotz aller Versuche von ihrer Seite, zerfiel der Schweizer-Bruch und die Siedler brachen ihre Häuser ab.
Bereits 1692 waren 2 Familien nach Töplitz gegangen, die vier Gehöfte in Nattwerder wurden vom Wasser nicht erreicht und blieben bestehen.
Die Kirche in Nattwerder war der Mittelpunkt der ersten Schweizer-Kolonie und blieb noch mehr als 100 Jahre bestehen, obwohl sich die Einwohnergemeinde auflöste.
Die Ansiedelung der Schweizer diente als Beispiel für das Edikt von Potsdam vom 29. Oktober 1685 zur Ansiedelung der Hugenotten.

 

2. Golm heute

Um uns einen persönlichen Eindruck vom heutigen Golm und seinen Einwohnern zu verschaffen, ist Zissi Sauer dort hingefahren und hat mit ihrem Vater den Golmer Herrn Seidel besucht. Von ihm ist unser Arbeitsmaterial. Die Fotos sind aus Golm und Nattwerder.

 

3. Quellen

Erarbeitung von Fritz Kiener „Die Einwanderung der ersten Schweizer in das Havelland“
1. Auflage (100), November 2002 (Als Manuskript vervielfältigt);
Buch „700 Jahre Golm Ein Streifzug durch die Geschichte des märkischen Dorfes am Reiherberg“ Ausgearbeitet unter der Leitung von Waltraud Meyer und Horst Sachse,