 |
 |
Autor: Claudia
Brandt
Diese Augen
22.30 Uhr war es als ich in der S-Bahn
plötzlich hochschreckte. Ich war zu weit gefahren. Also stieg ich aus.
Eigentlich wollte ich nur zu meiner Freundin fahren. Ich wußte noch nicht
einmal, wo ich war, Ich wollte jemanden fragen, sah aber niemanden. Also irrte
ich durch die riesige Bahnhofshalle. Da sah ich diesen Jungen. Er war nicht
viel älter als ich, wenn nicht sogar noch jünger. Ich bin heilfroh
jemanden zu sehen, dachte ich. Denn mit jedem Schritt, den ich auf ihn zuging,
wurde mir mulmiger zumute. Als ich kurz vor ihm stand, hob er seinen Kopf und
schaute mich an. Er schaute mich auf eine Art und Weise an, die mich zum Erstarren
brachte. Ich sah in seine Augen. Sie waren einfach nur stumpf. Seine Augen schrien
um Hilfe, aber er sagte nichts. Er saß nur da und starrte mich an. Ich
wußte noch nicht einmal, ob er mich wahrnahm oder nicht. In diesem Moment
wünschte ich mir, bei meiner Freundin zu sein. Aber ich stand immer noch
vor diesem Jungen und wußte nicht, wo ich hier war. Ich sah auf meine
Uhr. Es war noch nicht einmal eine Minute vergangen, aber ich hatte das Gefühl,
seit Stunden hier zu stehen. Ich fragte ihn vorsichtig: "Kannst du mir sagen,
wo ich hier bin ?" Er antwortete mir mit monotoner Stimme: "Bahnhof Zoo ..."
[Zurück]
|